War's das?

Die Henri-Nannen-Schule, Deutschlands bekannteste Ausbildungsstätte für Journalisten, bangt um ihre Zukunft

Es wird Kaffee und Kuchen geben und später ein Buffet, festliche Reden, eine Ausstellung und vielleicht auch Kabarett. Rund 400 Journalisten werden nach Hamburg an den Baumwall kommen, dazu jede Menge Prominenz aus der Medienszene. Die Henri-Nannen-Schule, Deutschlands bekannteste Journalistenschmiede, lädt ein zum 25. Jubiläum. Aus dem Geburtstagsfest im April kommenden Jahres droht jedoch noch etwas anderes zu werden: eine Abschiedsfeier.

Die Zukunft der Schule ist gefährdet. Der größte Geldgeber, das Verlagshaus Gruner + Jahr (G + J), erwägt, sie in zwei Jahren an die so genannte Hamburg Media School anzugliedern, eine Neugründung, hinter der neben der Hansestadt und der Hamburger Universität auch mehrere Medienunternehmen stehen. Im November startet dort ein Master-Studiengang Medienmanagement. Im Gespräch ist unter anderem, die Nannen-Schule ebenfalls in einen Master-Studiengang umzuwandeln.

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"Damit würde die Tradition der Schule verraten", kritisiert ihr Gründer und langjähriger Leiter, der Journalist und Publizist Wolf Schneider. Schneider hatte die Ausbildung bewusst "antiakademisch" konzipiert. Die derzeitige Schulleiterin Ingrid Kolb fürchtet, "dass alles, was die Schule wichtig und interessant macht, auf dem Spiel steht".

476 Absolventen gibt es mittlerweile, viele von ihnen haben Karriere gemacht.

Der Chefredakteur der Financial Times Deutschland, Christoph Keese, ist ehemaliger Nannen-Schüler, genauso wie Geo-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede, RTL-Nachrichtenmann Peter Kloeppel oder der bekannte Spiegel-Reporter Cordt Schnibben. In der ZEIT-Redaktion schreiben acht Nannen-Absolventen, beim Spiegel gibt es mehr als 30, und beim stern sind es rund 40.

Nannen-Schüler arbeiten aber auch beim Fernsehen, beim Radio und bei Tageszeitungen. "Ich habe mit Leuten, die von der Nannen-Schule kommen, sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie können wunderbar schreiben, begreifen schnell, und man kann sie sehr vielseitig einsetzen", lobt Hans Werner Kilz, der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung.

Die Zeiten, in denen Chefredakteure Schüler noch während der Ausbildung abwarben, sind angesichts der Medienkrise allerdings vorbei. Von 17 Absolventen, die im Frühjahr fertig wurden, fanden nur drei sofort eine Stelle - ab nächstem Jahr bietet die Schule statt 36 nur noch 20 Ausbildungsplätze an. Diese sind nach wie vor hart umkämpft. 1100 Bewerbungen gingen diesmal ein.

Plaudern mit den Chefredakteuren

Typisch für die Nannen-Ausbildung ist neben einem strengen Auswahlverfahren der stark verschulte Unterricht und der radikale Praxisbezug. Der geht so weit, dass die angehenden Journalisten üben, wie man eine Spiegel-Geschichte, einen stern-Report oder ein Brigitte-Porträt schreibt. Während ihrer 18-monatigen Journalistenlehre verbringen sie mehr Zeit bei Praktika in den Redaktionen als in den Seminaren. Und als so genannte "Abendgäste" geben sich Chefredakteure die Ehre und erzählen aus ihrem Arbeitsalltag.

Gut eine Million Euro kostet die Elite-Ausbildung jährlich. Finanziert wird sie zu rund 90 Prozent von Gruner + Jahr, den Rest steuern ZEIT und Spiegel bei. Zahlen müssen die Schüler nichts. Sie bekommen sogar Geld - 761 Euro im Monat. Falls die Schulausbildung zum Master-Studiengang würde, könnten dagegen auch Studiengebühren ins Spiel kommen. "Das würde viele junge Talente abschrecken", sagt die Schulleiterin Ingrid Kolb.

Noch sei über die Zukunft der Schule nicht entschieden, betont Gruner + Jahr-Sprecher Kurt Otto. Man stehe im Gegenteil erst am Beginn der internen Diskussion, in die auch die Schulleiterin und die Schüler einbezogen würden. Befürchtungen, die Elite-Ausbildung könnte verwässert werden, lässt er nicht gelten: "Ganz gleich, was die Diskussion ergibt: Die Richtschnur von Gruner + Jahr wird immer sein, dass eine Journalistenausbildung höchste Qualität gewährleistet, einen starken Praxisbezug hat und über den Zugang zur Schule allein das Talent entscheidet."

Seit Juni dieses Jahres sitzt Gruner + Jahr im Förderverein der Hamburg Media School, an die die Journalistenschule nun eventuell angedockt werden soll. Zu den Unterstützern zählen auch der Springer- und der Spiegel-Verlag, die Ganske-Gruppe und der Bauer-Verlag. Eine Journalistenausbildung war ursprünglich nicht vorgesehen, aber das soll sich ändern. "Für uns und die anderen Verlage ist die Media School doch gerade deswegen interessant, weil sie eine Managementausbildung und eine Journalistenausbildung am selben Ort bieten kann", sagt Andreas Fritzenkötter, der den Bauer-Verlag im Förderverein vertritt. Mittlerweile sei auch im Aufsichtsrat beschlossen, dass es eine Journalistenausbildung geben werde. Nun ruhen die Blicke auf Gruner + Jahr mit seiner erprobten Nannen-Schule, die zum Kern dieses Programms werden könnte.

Der Springer-Verlag hat ebenfalls eine eigene Journalistenschule. Man denke jedoch nicht daran, sie in ein anderes Programm zu integrieren oder gar aufzugeben, sagt Springer-Sprecherin Carola Schmidt.

Absolventen des letzten Nannen-Jahrgangs haben derweil einen Aufruf an die anderen Ehemaligen geschickt: Sie sollen den G + J-Vorstandsvorsitzenden Bernd Kundrun mit Protestbriefen bestürmen. Die Nannen-Schüler selbst haben den kompletten G+J-Vorstand zu einem Imbiss Mitte November eingeladen.

Zwischen Frikadellen und Bier wollen sie dann Überzeugungsarbeit leisten.

"Wir müssen etwas tun, das sind wir der Schule schuldig", sagt Alexander Kühn, einer der Organisatoren. Schließlich profitiere er enorm von der Ausbildung. "Ich lerne hier in einer Woche mehr, als ich in einem Semester an der Uni gelernt habe."

 
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