Film Weil Opi halt so rührend warSeite 2/2
Zum Wunder von Bern gehören zwei filmhistorische Berührungspunkte. Mit dem „Aus, aus, aus, Deutschland ist Weltmeister!“ ist bei Rainer Werner Fassbinders Ehe der Maria Braun wirklich alles aus: der Film, das Leben, das Deutschland. Müde schaut er auf die weltmeisterliche BRD, lässt seine Figuren sterben und wendet sich ab. Bei Wortmann fängt nun alles an, das gute Leben, die Fifties, die deutsche Komödie. Bei Fassbinder – im diametralen Gegensatz dazu – hallt im Triumph von Bern der Tod jeder Hoffnung auf ein besseres Deutschland mit. Der andere Bezugspunkt, durch den Titel, ist das Wunder von Mailand: ein Film von Vittorio De Sica aus den fünfziger Jahren, in dem die Unterdrückten und Beleidigten der italienischen Stadtrand-Slums plötzlich fliegen können und durch das Wunder ihrer Flucht der Realität die Quittung für ihre Unerträglichkeit ausstellen. Das Wunder von Bern ist das Gegenteil eines solchen Wunders, das materielle Zwangsläufigkeiten einmal unterbricht, nämlich kein Wunder, sondern das ganz normale Nachkarten der Bürger eines ehemaligen Schurkenstaates, auch über das Recht auf Triumphe verfügen zu wollen.
- Datum 16.10.2003 - 14:00 Uhr
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- Serie film
- Quelle (c) DIE ZEIT 16.10.2003 Nr.43
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