indien „Wir sind die Gewinner“Seite 4/4

Und auch deutsche Firmen setzen auf Indien, wenn auch nicht in diesen Massen. Der größte deutsche Computerkonzern SAP will seine Belegschaft in Indien fast verdreifachen – von nun 700 bis Ende 2005 auf 2000. Andere kommen über Umwege. Die Deutsche Bank und der Technologiekonzern ABB gliedern Arbeitsfelder an IBM oder die US-Firma Accenture aus, die wiederum in Indien neu investieren.

In den indischen Callcentern und Backoffices ist Stellenabbau dagegen kein Thema. Die ITeS-Firmen plagt nicht die Sorge, wie sie ihre Leute loswerden, sondern wie sie sie halten. Vor allem die Callcenter locken zusehends mit Extras und Sozialstandards, von denen die meisten Inder bisher nur träumen. Während normalerweise die Sechstagewoche gilt und acht Tage Urlaub schon viel sind, genießen die IT-Beschäftigten schon 21 bis 25 Tage bezahlten Urlaub, Fünftagewoche und Krankenschutz. Firmeneigene Minibusse bringen sie zum Büro und zurück.

Die Unternehmen schmeißen Partys und Picknicks, spendieren Kuchen und Geschenke zum Geburtstag, bieten kostenlos Mahlzeiten, Fitness-Center und freien Eintritt zu Nobeldiscos, ja sogar mehrmonatige Bildungsaufenthalte im Ausland. „Wir schuften wie die Hunde und leben wie die Könige“, sagt Kiran.

Ein Auto, eine eigene Wohnung kann sie sich von ihren 12000 Rupien nicht leisten. Aber ein Handy, Parfum und Jeans, am liebsten amerikanische Marken wie Levi’s. Wäre Kiran in Deutschland geboren, wäre all das für sie selbstverständlich. In einem Land wie Indien, in dem jeder Dritte mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen muss, ist es Luxus. „Natürlich werden wir ausgebeutet“, sagt Kiran. „Aber ich denke schon, dass wir Gewinner der Globalisierung sind.“

 
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