Musik Es ist nur Rock ’n’ Roll…Seite 2/2

Die fünf Darsteller in kunstvoll zerschlissenen Turnschuhen, die sich The Strokes nennen, sind für den US-Rock der Velvet-Underground-Tradition das, was Oasis für den Britpop der Neunziger waren: Epigonen, die groß wurden, weil Nachfrage bestand, dieses unstillbare, besonders in Krisenzeiten grassierende Gefühl, die Rebellion verpasst zu haben. Die Strokes können es zwar auch nicht wiederbringen, aber sie verstehen sich darauf, die Sehnsucht danach zu bedienen. Room On Fire, ihr nach allen Regeln der Kunst gehypeter zweiter Versuch, gemahnt schon im Titel an die alten Tugenden des Hotelzimmerverwüstens und hysterischen Sichverausgabens. Maximum Rock ’n’ Roll! Leider reicht es nur zu einer biederen, garantiert ironiefreien Reprise.

Wie konnte es überhaupt passieren, dass die Ironie im letzten Jahrzehnt von halbschlauen Pop-Sachverständigen für „over“ erklärt wurde? In der Romantik, der das Modell des rebellischen jungen Mannes ohnehin mehr verdankt, als seine zahlreichen Nachfolger wahrhaben wollen, bezeichnete sie einen Weg, die Tradition durch subtile Kenntnis der Originale zu überwinden. Bands wie die Strokes dagegen sind aus Prinzip ahistorisch. Sie setzen sich selbst an die Stelle ihrer Vorbilder. „The end has no end the end has no end the end has no end“, leiert Casablancas mantraartig vor sich hin, trotz hohen Energieaufwands gefangen in einer popmusikalischen Endlosschlaufe.

Dass diese Musik unsüffig klingt, soll damit nicht behauptet sein, im Gegenteil: Sie geht runter wie nichts. Sie hinterlässt aber auch so gut wie nichts. Die Strokes, das sind fünf kuschelige Popstar-Maskottchen, die Rock-Folklore spielen. Man kann sie käuflich erwerben, im Club oder daheim unter der Dusche hören. Wer mehr verlangt, darf das Sonderangebot auch im Regal stehen lassen: Schönen Dank, it’s only rock ’n’ roll, aber ich mag es trotzdem nicht.

 
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