Traumreise Ich habe einen TraumSeite 2/2

Eine meiner Tanten litt vor einigen Jahren an Krebs im Endstadium. Ich besuchte sie oft, und wir fanden heraus, dass ihr Krafttier der Fuchs war. Sie mochte Füchse. Als sie ins Krankenhaus kam, wurde vor ihrem Haus auf der Straße ein Fuchs überfahren. Das hat sie sehr traurig gemacht, denn sie bekam in ihrem Garten oft Besuch von einem Fuchs. Ich unternahm eine Traumreise für sie. Und ich traf einen Fuchs. Er fing an, sich selbst zu beißen. Er zerfleischte sich regelrecht. Ein schrecklicher Anblick. Alles war über und über mit Blut getränkt. Dann verschwand der Fuchs, und aus dem Unterholz kam ein weiterer, ein größerer, grauer Fuchs. Er sprach zu mir: »Traue niemals dem ersten Fuchs, den du triffst. Der erste ist immer ein Betrüger. Auf den zweiten kommt es an.« Als meine Tante noch einmal aus dem Krankenhaus nach Hause kam, fand sie heraus, dass es tatsächlich nicht der Fuchs aus ihrem Garten war, der überfahren worden war, sondern ein anderes Tier. Ich habe häufig ihren Fuchs für sie besucht und ihr dann Briefe geschrieben. Ich schrieb ihr, sie solle am Himmel nach dem Sternzeichen des Fuchses suchen. Sie konnte es von ihrem Fenster aus sehen. In ihrem letzten Brief schrieb sie mir, wie sehr es sie beglückte, die Sterne anzuschauen.

Wenn man sich auf diese Fantasiereisen begibt, lacht man, schwitzt man, weint man, als wäre alles real. Ich habe nie LSD genommen, aber die Erfahrung muss ähnlich sein. Manchmal denkt man, es seien nur drei Minuten vergangen – und es war eine Stunde.

Diese Reisen sind eine unglaubliche Freude, und sie geben mir wahre Freiheit. Du kannst fliegen. Du bist ein Fisch im Wasser. Du bereist das Land deiner Kindheit. Häufig komme ich in eine magische kleine Stadt, die aussieht, als wäre sie von dem spanischen Architekten Gaudí gebaut. Dort gibt es diese bunten Häuser und einen Wasserfall. Die Sonne scheint. Ich schwimme in einem grünen Fluss und sehe die Bäume am Ufer. Ich berühre die Wasserpflanzen. Alles ist weich und friedlich. Und der Otter ist immer da, wenn ich es will. Ich kann ihm Fragen stellen. Wir sprechen darüber, was ich tun sollte und was nicht. Mein Otter wird mich immer retten.

Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke

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