Attac Blondes ÄchzenSeite 2/2

Vermutlich lag es daran, dass die Attac-Versammlung nicht so sehr über Globalisierungs kritik, sondern über Israe lkritik und deren antisemitische Untertöne stritt. Die Forderung, man möge zu diesem heiklen Thema besser schweigen, zumal Weltwirtschaft und Nahostkonflikt wenig miteinander zu tun haben, setzte sich nicht durch. Die Emotionen schlugen hoch, es gab Beschimpfungen, Tränen, dann wieder Versöhnungsgesten. Zum Eklat kam es, als ein Flugblatt ausgelegt wurde, auf dem Israel des Völkermordes an den Palästinensern bezichtigt und Michel Friedman diffamiert wurde – der Autor musste den Rucksack packen und die Versammlung verlassen.

Vorständler Peter Wahl benötigte den ganzen Samstag dazu, in einer Art Pendeldiplomatie zwischen allen Fraktionen den Text einer gemeinsamen Erklärung auszuhandeln. Wahl, früher selbst Mitglied der DKP, fühlte sich in die Debatten der Westlinken der achtziger Jahre zurückversetzt. Damals wurden viele Konflikte gelöst, indem man sich in konkurrierende Grüppchen aufsplitterte. Bei Attac finden nun alle Strömungen wieder zusammen.

In Aachen haben sie sich bloß auf Formelkompromisse einigen können. Die Abschlusserklärung stellt weder das Verhältnis zu palästinensischen Terroristen klar, noch definiert sie, wo Antisemitismus beginnt. Man werde „einen gründlichen Diskussionsprozess organisieren“, heißt es da, „mit Respekt für unterschiedliche Ansichten“. Sollte sich der Respekt auch auf personalisierte Kapitalismuskritik erstrecken, muss Attac weiter mit dem Antisemitismusverdacht leben.

 
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