geld spezial Bloß nicht sauber werdenSeite 2/2

Besser als Standardaktien

Innerhalb der einzelnen Branchen werden nur die Unternehmen berücksichtigt, die Nachhaltigkeit ernster nehmen als ihre Konkurrenten. Aufgrund der breiten Streuung über alle Branchen sind solche Anlageformen folglich mit ethischen Kompromissen verbunden. Doch dafür bringen sie im Vergleich zur klassischen indexorientierten Aktienanlage kein Zusatzrisiko – gerade für Pensionskassen, Pensionsfonds und Versicherungen ein wichtiges Argument. „Unser Konzept ist ein Basis- und kein Nischeninvestment“, sagt die SAM-Sprecherin. So könnten instituionelle Anleger einen herkömmlichen Indexfonds gegen einen vergleichbaren Nachhaltigkeits-Indexfonds austauschen, ohne dass sich im Portfolio die Risikostruktur änderte.

Ein ähnliches Konzept verfolgt die schweizerische Privatbank Pictet. Auch dort werden aus dem herkömmlichen Standardwerte-Index wie etwa dem Stoxx die Unternehmen herausgepickt, die im nachhaltigen Wirtschaften die besten Ergebnisse vorweisen können. Dabei kann der institutionelle Kunde bestimmen, wie groß die Abweichung zum ursprünglichen Index sein darf. Erstaunliches Resultat: Schon wenn die neue Zusammenstellung nur um 3 Prozent vom herkömmlichen Index abweicht, kann ein Depot aus Unternehmen mit weit überdurchschnittlichen Nachhaltigkeitsbewertungen zusammengestellt werden.

Zu den wenigen deutschen Anbietern, die solche Konzepte einsetzen, zählt der MetallRente-Pensionsfonds. Dort werden anhand eines von den UN und der internationalen Arbeiterorganisation ILO erstellten Kriterienkatalogs Ausschlusskriterien erstellt, bei deren Missachtung ein Unternehmen aus dem Depot herausfällt. Ins Visier geraten etwa Unternehmen, die den Beitritt von Arbeitnehmern in die Gewerkschaft behindern oder Minderheiten diskriminieren. Allerdings können betroffene Unternehmen im Zweifel vom Streit zwischen den Lagern profitieren: Der Ausschluss erfolgt nämlich nur, wenn sowohl die Arbeitgeber- wie auch die Arbeitnehmerseite zustimmten. Im Fall der Uneinigkeit bleibt der Titel im Depot.

Warum die deutschen Fondsgesellschaften Nachhaltigkeitsmuffel sind, ist nicht zu verstehen. Sowohl die Anleger als auch die börsennotierten Unternehmen sind viel aufgeschlossener. 60 Prozent der Anleger würden eine ökologische und ethische Anlageform bevorzugen, hat eine Befragung des Finanzdienstleisters Delta Lloyd ergeben. Und sogar vier von fünf Dax-Unternehmen halten die Aufnahme in einen Nachhaltigkeitsindex für ein wichtiges Unternehmensziel, wie das Deutsche Aktieninstitut weiß.

Die Anstrengungen kommen nicht nur der Umwelt und der Gesellschaft zugute, sondern manchmal auch dem Anleger: Von Anfang September 2002 bis Anfang September 2003 konnte der nachhaltige Weltaktienindex den herkömmlichen Index um 0,5 Prozentpunkte übertreffen, beim Stoxx lag die nachhaltige Variante sogar mit 1,4 Prozentpunkten vorn.

 
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