Flüchtlinge Odyssee ins ParadiesSeite 9/12

„Wenn ich wenigstens das Baby bekommen hätte“, sagt sie später. „Ich wollte es so sehr. Es wäre hier geboren worden, ein spanisches Baby. Charles wollte es noch mehr als ich. Wenn wenigstens das geklappt hätte! Jetzt ist alles umsonst gewesen. Nichts ist mir gelungen in den letzten beiden Jahren.“ Draußen wird es dunkel, aber Pat schaltet das Licht nicht an.

„Ich kann nicht zurück“, sagt sie. „Was soll ich in Nigeria? Wieder in meinem kleinen Laden sitzen? Meine Mutter um Geld bitten? In meinem Alter? Wovon soll ich leben? Ich weiß nicht mal, ob es den Laden noch gibt. Wenn ich abgeschoben werde, dann bleibe ich in Lagos. Ich fahre nicht nach Hause, nicht so, ohne Geld, in diesen alten Kleidern.“

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Und dann erzählt sie. Drei Wochen ist es her, als Bright plötzlich anrief. Dieses Mal war es kein falscher Alarm. In einem geschlossenen Lkw brachte man sie und die anderen aus der Stadt, dann sind sie mehrere Stunden lang durch einen Wald gelaufen, zu einem Strand. Aber da war kein Boot. Nicht in dieser, nicht in der nächsten Nacht. Eine Woche warteten sie im Wald, es gab keine Decken und selten etwas zu essen. Dann tauchte das Schlauchboot plötzlich auf, und plötzlich war auch Bright da, vornehm wie immer. Er schärfte ihnen ein: Ihr kommt aus Ghana, hört ihr? Aus Ghana! Sie kletterten ins Boot, 40 Nigerianer und sieben Marokkaner. Fünf waren Schmuggler, mit Tüten voller Haschisch, dazu die beiden jungen Steuermänner. Sie legten ab. Das Meer schien ruhig. Es war drei Uhr nachts.

Pats Vorfreude war verflogen. Jetzt kam die Angst. Sie fror. Sie betete. Gemeinsam mit den anderen sang sie, was immer an Chorälen ihr einfiel. Keiner sprach. Je näher sie Spanien kamen, desto stärker wurde der Seegang. Bald schwappten die ersten Wellen ins Boot. Irgendwann sagten die beiden Steuermänner: Es geht nicht. Wir müssen umkehren. Die Schwarzen protestierten. Einer wählte Brights Nummer. Bright rief, sie sollten weiterfahren! Wenn sie umkehrten, müssten sie die Fahrt noch einmal bezahlen.

Die beiden Steuermänner fügten sich. Sie fuhren weiter. Inzwischen war es heller Tag. In riesigen Schleifen umkurvten sie die Frachter, die sich der Straße von Gibraltar näherten. Immer mehr Wasser schwappte ins Boot. Die Männer schaufelten es mit ihren Kappen hinaus, die Frauen wrangen ihre Pullover. Um ein Uhr mittags, nach zehn Stunden Fahrt, landeten sie schließlich in Spanien.

Die Haschischschmuggler rannten als Erste davon. Die beiden Männer am Steuer zerstachen das Boot und liefen hinterher, gefolgt von den Afrikanern. Noch bis vor wenigen Jahren mussten nur die Marokkaner befürchten, wieder abgeschoben zu werden. Die Schwarzen hingegen warteten in aller Ruhe auf die Polizei. Doch seit Madrid und Lagos ein Abschiebeabkommen geschlossen haben, rennen auch die Nigerianer.

Doch für Pat war die Küste zu steil. Sie war schwanger, sie war müde, ihr Fuß tat weh. Bald kam die Guardia Civil. Erst fing sie oben die meisten Männer, dann begannen die Beamten, die Frauen die Steilküste hinaufzuhieven. Das Rote Kreuz verteilte Getränke. Man fragte Pat, wer sie sei. Sie sagte: Pat Omomo aus Ghana.

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