Hochbegabtenförderung Hilfe für schnelle DenkerSeite 2/2

Wer wissen will, wie sich die Schulen tatsächlich anpassen, fragt am besten Lehrer wie Klaus Papies. Papies unterrichtet Musik und Physik an einem Gymnasium in Wolfsburg. Seit diesem Schuljahr hat er einige per Intelligenztest zertifizierte Hochbegabte in der Klasse. Überhaupt ist seine Schule recht aktiv in der Begabtenförderung, für besonders Motivierte gibt es Extrakurse in Mathematik und Philosophie. Sie können auch eine weitere Fremdsprache lernen. Bisher macht das eine Schülerin. Sie besucht nur noch zur Hälfte die Stunden in Französisch, ihre reguläre zweite Fremdsprache, den Rest verbringt sie im Lateinunterricht der Parallelklasse. Die Französischarbeiten muss sie natürlich alle mitschreiben.

In Fachkreisen nennt man diese Strategie das Drehtür-Modell. Entwickelt hat es der amerikanische Begabungsforscher Joseph Renzulli. Papies hat ihn kürzlich auf einem Begabtenkongress an der Uni Münster gesehen. „Wir scheinen mit dem, was wir machen, gar nicht so verkehrt zu liegen“, sagt Papies jetzt. Andere Schulen gehen ähnliche Wege: von fachübergreifenden Lernwerkstätten an der Freien Schule Rostock bis zum Philosophieren an der Grundschule Altonaer Straße in Hamburg. Bislang hatten die DGhK und andere Selbsthilfevereine mit ihren Freizeitkursen fast das Monopol in der Begabtenförderung. Damit ist Schluss: Endlich integrieren deutsche Schulen ihre Begabten so, wie sie sind.

Integrativ ist man auf Schloss Hansenberg nicht. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Denn einige der Schüler fühlen sich zum ersten Mal wirklich akzeptiert. „Hier sind Gleichgesinnte“, sagt der 14 Jahre alte Hanns. Direktor Herbst hat ihn und drei seiner Mitschüler für eine halbe Stunde freigestellt, damit sie von ihrem Leben auf Hansenberg berichten können. Umgeben von den leeren Regalen der zukünftigen Schülerbibliothek, schwärmen Viviane, Manuel, Denise und Hanns von der Schlossanlage mit den neu errichteten Bungalows, von den engagierten Lehrern und, immer wieder, vom Gemeinschaftsgefühl. „Auf meiner alten Schule hatten sie einfach keinen Bock“, sagt Denise, 15, und erntet zustimmendes Murmeln. „Hier arbeiten alle zusammen.“ Und was gefällt ihnen nicht auf Hansenberg? Auch da sind die vier schnell einer Meinung: die Leute, die von draußen durch die Fenster gaffen, um einen Blick auf die „Hochbegabten“ zu erhaschen. „Manchmal komme ich mir vor wie im Zoo“, sagt die 15-jährige Viviane. Trotz aller Fortschritte: Es wird dauern, bis Hochbegabtenförderung Normalität ist.

 
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