Oper Im Hirn des anderenSeite 2/2

Wo sich Neuwirth mit gnadenloser Neugier in die Hirnwindungen einer getriebenen Seele hineinschraubt, verharrt Schlömer stur in der Horizontalen eines quer über die Bühne gebauten Laufstegs. Und während die Komponistin ihre im Raum verspannte Partitur zur nervösen Psychostruktur erklärt, inszeniert der Regisseur seine Schauspieler so steif, dass man ihnen geradewegs die Arme verknoten möchte. Zwar schießen die Figuren hin und wieder wie Kai aus der Kiste auf flachen Rollwagen unter dem Bühnenboden hervor, doch verweist dieser eine, leidlich ausgereizte Regieeinfall umso deutlicher auf die allgemeine Unbeweglichkeit.

In ihren stärksten Momenten löst sich Neuwirths Komposition völlig vom Hier und Jetzt der Aufführung, scheint nur noch mit Lynchs Bildern zu verkehren – und macht selbst diese irgendwann vergessen. Je grausamer das Geschehen, desto eigenständiger die Musik. Für Renees brutalen Liebhaber Mr. Eddy erfindet Neuwirth mit offensichtlicher Lust an den herausschießenden Wortkaskaden eine eruptive, an einen Gangsta-Rap erinnernde Pistolensprache. Gibt der mit durchschnittener Kehle verreckende Kriminelle auf der Leinwand nur mehr entsetzliche gurgelnde Laute von sich, erhält sein Sterben in der Komposition beinahe etwas Elegisches. Rhythmische Bläserwellen finden sich zum Puls eines langsam verebbenden Lebens.

Mag sein, dass Olga Neuwirth für Lost Highway Bilder als Katalysatoren ihrer kompositorischen Fantasie benötigte. Das fertige Werk ist auf diese Bilder nicht mehr angewiesen. Am Ende, und das ist vielleicht die beruhigende Erkenntnis dieses Abends, werkeln Lynch und Neuwirth völlig einsam an den Albträumen unter der jeweils eigenen Schädeldecke.

 
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