Die großen Unbekannten Der Koloss vom KapSeite 3/3

Mit ihrem Modernisierungskurs haben die Südafrikaner Erfolg. Aber das atemberaubende Tempo, in dem SAB Konkurrenten auf der ganzen Welt schluckt, stößt inzwischen auch auf Bedenken. Vor allem an Miller, dem dicken Brocken aus Amerika, könnten sich die Südafrikaner verschluckt haben, orakeln manche Analysten. Die SAB-Manager bekommen immer wieder die gleichen Fragen zu hören: Warum hat der Konzern seinen Hauptsitz nach England verlegt? Wie viel Steuern fließen noch in die Heimat zurück? „Wir sind Südafrikaner. Und wir führen an den Fiskus in Pretoria nach wie vor mehr ab als der gesamte Goldbergbau“, antwortet Meyer Kahn. Das Unternehmen sei einfach zu groß geworden und der Kapitalmarkt Südafrikas zu klein; man habe an die Londoner Börse gehen und umziehen müssen. Motto: Im Zeitalter der Globalisierung bleibt nur eine Wahl – fressen oder gefressen werden.

Das Selbstbewusstsein der jungen Megabrauerei ist jedenfalls unerschütterlich. Weil die Bilanzen von Miller nicht gerade rosig ausfielen, ersetzten die Konzernherren das US-Management kurzerhand durch ein südafrikanisches. Und sie fischen munter weiter im globalen Teich. Nicht in Deutschland, dessen Biermarkt, sagt Meyer Kahn, sei „zersplittert, relativ klein und deshalb ziemlich uninteressant für uns“. Aber in Italien: Birra Peroni, zweitgrößter italienischer Bierproduzent, ist der jüngste Fang der Südafrikaner. Die Bierpalette von SABMiller ist inzwischen so vielfältig geworden, dass in den Glasvitrinen des hauseigenen Museums manchmal die Sorten und Länder durcheinander kommen. Eine Flasche Lech aus Polen hat sich zu den Russen verirrt.

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Meyer Kahn, unter dessen Führung SAB zum Global Player wurde, hat sich inzwischen aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Als „nichtexekutiver Vorstandsvorsitzender“ erlaubt er sich, über die Zeitläufte zu philosophieren und vor den großen Zukunftsproblemen Südafrikas – der „Kluft zwischen Armen und Reichen und der Aids-Pandemie“ – zu warnen. Längst ist der 64-Jährige zu einer südafrikanischen Unternehmerlegende geworden, und eigentlich hat er alles erreicht.

Nur am härtesten Job, den sein Land zu vergeben hat, scheiterte auch der alte Feldherr. Meyer Kahn hatte sich im Jahr 1997 selbst beurlaubt, um auf Bitten der Regierung den Posten des nationalen Polizeichefs zu übernehmen. Als er zweieinhalb Jahre später den Dienst quittierte, war die Kriminalität so hoch wie eh und je. „Im Vergleich zu dieser Aufgabe“, bekennt Kahn in seiner Kommandozentrale über Johannesburg, „ist die Führung eines Weltkonzerns ein Kaffeekränzchen.“

Nächste Folge: Tata – der Alleskönner aus Indien

 
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