Karriere Der SeitenwechslerSeite 2/2

Andere Aufgaben sind weniger leicht zu lösen. 30 Mitarbeiter der klinikeigenen Wäscherei musste Cord Meyer „freisetzen“, weil diese nicht mehr rentabel arbeitete. Entlassen darf er allerdings niemanden, so hat es der Sana-Konzern für die ersten fünf Jahre nach der Übernahme versprochen. Was für ihn wiederum die Frage aufwirft: Wohin mit den Mitarbeitern?

Die richtig harten Entscheidungen werden erst noch folgen. Der zweite Klinikstandort auf dem Travemünder Priwall soll aufgelöst und durch ein Modellprojekt, eine so genannte Praxisklinik mit nur 40 Betten und mehreren niedergelassenen Ärzten, ersetzt werden. Eine chirurgische Station auf dem Priwall wurde bereits dichtgemacht, die Chefarztstelle für die innere Medizin nicht wieder besetzt. Nun pendelt der Chefarzt der medizinischen Klinik aus dem Krankenhaus Süd, Thomas Hütteroth, zwischen beiden Häusern hin und her. Während der Geschäftsführer sagt: „Die Lösung wurde akzeptiert und gut umgesetzt“, formuliert es der Mediziner etwas anders: „Der schlechte Zustand hat sich stabilisiert.“

Der Internist sitzt mit zwei Controllern am Tisch des Geschäftsführers. Thema ist die Abrechnung der Fallpauschalen. Meyer redet von Erlös, der Arzt und der Medizin-Controller reden vom Stress auf den Stationen, von Diagnosen, die erst Tage später kodiert und an die Krankenkassen geleitet werden, weil die behandelnden Ärzte ab und zu auch mal frei haben. Da bleibe einiges liegen. Was aber heißt das für den Erlös der Klinik, wenn ein bis zwei Prozent der Datensätze erst verzögert abgerechnet werden? Ist das noch tragbar? Meyer spricht jetzt wieder vom „wirtschaftlichen Gesamtrahmen“. Die anderen nicken verständnisvoll. Der Internist Hütteroth sagt etwas von Qualität, und Manager Meyer meint, dass viel ja nicht unbedingt viel helfen muss. „Im Gegenteil“, sagt da der Arzt und lächelt in sich hinein.

Dann gehen die Mediziner wieder auf ihre Stationen und lassen den Klinikmanager allein zurück mit seinen Zahlen. Was ist nun eigentlich geworden aus seinen früheren Hoffnungen und Plänen, mit denen er sich auf den Weg ins Management machte? Die Bilanz fällt nüchtern aus: „Die Grenzen, die ich damals sprengen wollte, kann ich jetzt eben besser begründen.“

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