»Was die Leute wollen, ist Abenteuerurlaub mit Schlangen ohne Gift«, erkannte Gerd Hesselmann, der frühere Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbands. Doch Schlangen und Skorpione können ganz schön giftig zubeißen, Spinnen und Taranteln zustechen. Für Ferntouristen gehen aber von Flora und Fauna noch ganz andere »exotische« Gefahren aus.

Eine deutsche Urlauberin etwa, die auf einer Südseeinsel durch ein Mimosenfeld wanderte, bekam eine allergische Reaktion. Auf dem Rückflug kollabierte sie, das Flugzeug musste in Neufundland notlanden, sie wurde 16 Tage behandelt.

In Afrika werden die meisten Safariunfälle mit tödlichem Ausgang nicht durch blitzschnell zupackende Löwen, sondern durch nur vermeintlich plumpe Flusspferde verursacht. Wenn sich die tonnenschweren Vegetarier bedroht fühlen, können sie zu aggressiven Bulldozern werden und ihre Angreifer mit über 40 Kilometern in der Stunde verfolgen.

Würfelquallen gelten als die giftigsten Lebewesen des Meeres – die gefährlichsten unter ihnen sind die so genannten Seewespen, Chironex fleckeri. Sie kommen besonders an Australiens flachen Küsten und Sandstränden vor. Im letzten Jahr starben zwei Touristen an den Folgen der Vergiftung.

Surfer sind die mit Abstand häufigsten Opfer von Haien. An der Universität von Florida werden weltweit alle Angriffe der Meeresraubtiere erfasst. »Hai-Noon« war im Jahr 2000 – 85 registrierte Unglücksfälle, darunter 13 mit Todesfolge. Das Meer vor Floridas Stränden, wo es im Sommer 2001 innerhalb einer Woche sieben Unfälle gab, ist neben den Küstengewässern von Australien und Südafrika ein gefährliches Haifischbecken. Experten führen die hohe Zahl von Angriffen nicht auf größere Aggressivität der Tiere zurück, sondern auf die wachsende Zahl von Urlaubern, die in immer größerer Distanz zum Strand surfen und tauchen.

Doch die Panik vorm (weißen) Hai erscheint übertrieben. Die weitaus größere Gefahr lauere am Strand unter Kokospalmen, warnt der kanadische Unfallpräventionsforscher Peter Barss. Bereits 1984 veröffentlichte er in der Fachzeitschrift Trauma eine Untersuchung zu »Verletzungen aufgrund fallender Kokosnüsse«. Die Kokosnuss wiege bis zu vier Kilo, erreiche 80 Stundenkilometer beim Fall aus 25 Meter Höhe und übe beim Aufprall mehr als eine Tonne Druck aus. Jedes Jahr würden weltweit mindestens 150 Menschen von Kokosnüssen erschlagen, sagt Barss. Die Kokosnuss, Inbegriff und Lebensgrundlage der Tropen: ein grausamer Killer? »Machen Sie mit Ihrer Schwiegermutter einen Spaziergang unter Kokospalmen«, empfiehlt ein beliebtes Sprichwort auf den Inseln im Pazifik.

Die Londoner Reiseversicherung Club Direct verbreitete medienwirksam, dass sie jedem kokosnussgeschädigten Touristen den vollen Versicherungsschutz gewähre. Zum Beispiel auch dem Mann, der arglos mit einer Kokosnuss Strandfußball spielte und mit gebrochenem Zeh im Krankenhaus endete. Deutsche Reiseversicherungen führen dagegen keine detaillierten Statistiken über Hai-, Kokosnuss- oder andere Unfälle. Die Europäische zum Beispiel unterscheidet nur nach Versicherungsarten, also ob ein Schadensfall zur Kranken- oder zur Reisegepäckversicherung zählt.