Friedensplan Fast utopisch, ganz pragmatischSeite 2/2

Dass die europäischen Medien wohlwollend über die Initiative berichteten, nimmt Beilin freudig zur Kenntnis. Überrascht hat ihn jedoch die positive Resonanz zu Hause, die „unsere Erwartungen weit übertraf“. In allen Umfragen wurde das Abkommen von einem Drittel bis zu 40 Prozent der Israelis unterstützt. Das israelische Fernsehen zeigte einen Mitschnitt der Treffen, auf denen Israelis und Palästinenser einander gegenüber saßen und um jeden Punkt und jedes Komma feilschten.

Dass aber ausgerechnet Yossi Beilin dabei war, mag viele Israelis zunächst abgeschreckt haben. Der Architekt der Osloer Verträge ist nicht beliebt, und Beilin weiß das. Deshalb kommt es ihm jetzt auch darauf an, zu zeigen, wie breit gefächert sein Verhandlungsteam war. Dazu zählten neben Mitgliedern der linken Opposition auch zwei Vertreter der Regierungskoalition, außerdem prominente Parteilose und erfahrene Militärs. Beilin weist den Vorwurf der Asymmetrie jedoch nicht zurück. Es sei zutreffend, sagt er, dass die palästinensische Delegation ihrer Regierung näher stünde als die israelische der ihren. Aber genau darin liege ja auch ein Vorteil für Israel. „Denn wenn sich die Palästinenser offiziell zu diesem Abkommen bekennen“, sagt Beilin, „dann gehen sie das größere Risiko ein.“

Drei Jahre lang seien sie als diejenige Seite wahrgenommen wurden, die keinen Frieden schließen wollte und nie ein Dokument unterschrieben habe, das eine Dauerlösung anstrebte. „Schon deshalb ist der 1. Dezember ein Meilenstein.“ Dann soll in Genf der Privatfrieden feierlich und in Anwesenheit von internationaler Prominenz unterschrieben werden. Wie aber gedenkt Beilin die Amerikaner für seinen Plan zu gewinnen, denn immerhin haben die einen eigenen Friedensplan namens „Roadmap“ ausgearbeitet? „Was wir vorschlagen“, sagt er, „mag die Roadmap sogar retten. Denn wenn irgendjemand eine permanente Lösung bis 2005 haben will und heute nicht schon längst darüber verhandelt, der ist nicht seriös.“ Sein Genfer Abkommen sieht er als mögliche Erfüllung des dritten und letzten Kapitels der Roadmap. Darin sollen die endgültigen Grenzen eines Palästinenserstaates gezogen werden.

Mit Hilfe des Genfer Abkommens sei es auch leichter, das zweite Kapitel der Roadmap umzusetzen, das zunächst einen Staat mit provisorischen Grenzen plant. „Die Palästinenser werden eine solche Übergangslösung nur dann akzeptieren“, sagt Beilin, „wenn sie am Ende eine dauerhafte Lösung mit konkretem Datum vor Augen haben“ – die Genfer Lösung eben. Aus diesen Gründen, meint er, hätten sich mittlerweile auch die Amerikaner für seinen Plan erwärmt. Also führt ihn sein Weg, ist Genf erst erreicht, als nächstes nach Washington.

 
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