WasserKann Wasser denken?Seite 2/3

Leider lässt Emoto sein Publikum im Unklaren darüber, wie er seine Bilder herstellt und wie er die Kristalle auswählt. Auch gibt es keine Publikationen von ihm, die wissenschaftlichen Standards genügten. Doch wer fragt schon nach Wissenschaft, wenn Emoto sein Glaubensbekenntnis ablegt: "Die Wassermoleküle ließen mich tief verstehen, dass erst, wenn Dankbarkeit doppelt vorhanden ist (H2), die Liebe (O) eine aktive Form annehmen und wirken kann."

Die Botschaft vom gefühlvollen Nass lässt sich jedenfalls prima vermarkten. So preist die Fernsehmoderatorin und Schauspielerin Michaela Merten neuerdings positiv besetzte Trinkgläser an (sechs Stück zum Preis von 35 Euro). Eingravierte Begriffe wie "Liebe und Dankbarkeit" sollen das Wasser harmonisieren.

Gutes Geld wird auch mit "energetisiertem", "vitalisiertem" oder "levitiertem" Wasser gemacht. Wer anerkannte wissenschaftliche Studien dazu sucht, wird stattdessen auf zufriedene Kunden verwiesen, auf Beispiele, die angeblich die Wirkungsweise belegen – oder gleich auf die Quantentheorie, die ja irgendwie alles erkläre und jeder Spinnerei die höheren wissenschaftlichen Weihen vermitteln soll.

Mit alldem will Bernd Kröplin wenig zu tun haben. Befragt man den 59-Jährigen etwa zu den japanischen Eiskristallen, lächelt der stets freundliche Forscher noch freundlicher. "Wir können das nicht zeigen." Man habe zwar mit Emoto über eine Zusammenarbeit geredet, daraus sei dann aber doch nichts geworden. Auch zu levitiertem Wasser oder Homöopathie will er sich nicht äußern. "Ich bin ja nun Wissenschaftler genug, um zu sagen: Vorsicht mit allem." Allerdings ist auch seine Tropfenforschung ungewöhnlich genug. Wie kommt ein Luft- und Raumfahrtexperte auf solche Ideen?

Alles habe mit jener Forschung angefangen, für die er den Körber-Preis bekam, erzählt Kröplin. Damals verfolgte er die Idee, fliegende Luftschiff-Plattformen als Sendestation für die Mobilkommunikation zu nutzen. Im Rahmen dieser Arbeit wollte er auch die umstrittenen Effekte der Mobilfunkstrahlung studieren. "Ich habe nach einem Stoff gesucht, der sich unter solchen Einwirkungen verändert." Als er auf die Tropfenbilder der Stuttgarter Künstlerin Ruth Kübler stieß, fing der gelernte Bauingenieur Feuer. Er begann, systematisch Tropfen unter dem Mikroskop zu untersuchen. Dabei entdeckte er, dass sich Speichel von Testpersonen unter dem Einfluss der Mobilfunkstrahlung zu verändern scheint – Grund genug für das Stuttgarter Wissenschaftsministerium, Kröplins Forschung mit knapp 300000 Euro zu fördern.

In seinem Institut fotografierte er fortan Rückstände tausender getrockneter Tropfen: von Wasser aus der Stuttgarter Leitung ebenso wie aus Heilquellen, Speichel, Blut und Urin von Hunderten Testpersonen. Unter dem Mikroskop offenbarten sich charakteristische Strukturen, die höchst ästhetisch aussahen. Doch ihre Reproduktion erwies sich als schwierig. Sie differierten nicht nur von Experimentator zu Experimentator, sondern auch von Tag zu Tag. Jeder andere Forscher hätte daraufhin wohl die Flinte ins Korn geworfen. Nicht so Kröplin.

Dass er die Herausforderung liebt, hat er schon als Vorstandsmitglied der visionären Cargolifter AG bewiesen, die mittlerweile pleite ging. Nun verfolgt Kröplin eine noch größere Vision. In ihm wuchs die Überzeugung, dass unter dem Mikroskop auch die Beziehung zwischen Tropfen und Experimentator sichtbar wird. Die beobachteten Strukturen, so seine These, verändern sich auf charakteristische Weise, je nachdem, wer die Flüssigkeit auf den Objektträger tropft – und in welcher Verfassung die jeweilige Person ist! "Der trocknende Tropfen erzeugt, wie ein Spiegel, ein Bild des Experimentators", postuliert Kröplin kühn. In der Wasserforschung müsse man diese Einflüsse berücksichtigen. Dann aber, verspricht er, könne man seine Effekte auch reproduzieren.

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