Man muss sich Herrn Ruggaber als einen glücklichen Menschen vorstellen. Eines Tages am Bodensee zum Beispiel steigt er mit seiner Frau auf einen Ausflugsdampfer. Um zu zahlen, klappt Ruggaber sein Portemonnaie auf. An der Kasse steht der Schiffseigner selbst, sein Blick fällt auf Ruggabers Firmenausweis. Ein weißes Stück Plastik, darauf der schwarz gedruckte Name eines großen deutschen Konzerns.

"Schaffet Se etwa beim Daimler?"

"Freilich."

"Ond wo?"

"I mach d’ S-Klass."

"Subber, gradduliere. I hen selbscht oine. Des isch’s beschte Audo, was es gibbd."

Das mache ihn stolz, sagt Ruggaber: wenn jemand die S-Klasse lobt. Regierungschefs und Unternehmensvorstände, Amerikaner, Japaner und Schwaben, Reiche und Wichtige aller Länder fahren S-Klasse. Ruggaber nicht. Viel zu teuer. Trotzdem ist die S-Klasse sein Auto. An den Fließbändern der Halle 46 des Daimler-Werks in Sindelfingen sieht er sie jeden Tag vom stählernen Skelett zur glänzenden Limousine wachsen. Sieht, wie die Kollegen die Sitzschienen und Auspuffanlagen an das Metall schrauben, an 288 Wagen am Tag. Früher hat Ruggaber mitgeschraubt, dann haben sie ihn befördert, seit 26 Jahren ist er jetzt in der Qualitätssicherung. Ruggaber kennt die S-Klasse wie ein Kind seinen Fischer-Technik-Kasten. Er passt auf, dass sich in den teuren Wagen kein Fehler versteckt. Das ist seine Arbeit. Im blau-grauen Kittel geht er die Bänder ab, schaut, prüft, testet. Fühlt sich wohl. Sagt: "Die Identifikation mit dem Produkt ist enorm."

52 Jahre alt ist er jetzt, ein kleiner, gedrungener Mann mit Dreiviertelglatze und grauem Bart. Vorname Hans, aufgewachsen in Mühringen bei Horb am Neckar, 1100 Einwohner. "Zwei davon fahren S-Klasse." Da wohnt er noch immer. Sein Vater war der Erste im Ort, der zu Daimler ging. Heute arbeitet auch einer von Ruggabers zwei Söhnen dort, 50 Meter vom Vater entfernt.