bildung Marionetten an der TafelSeite 2/2

Aber zum deutschen System organisierter Verantwortungslosigkeit gehört, dass es keinen Personalvorstand gibt, sondern einen Club von 16 selbstherrlichen Prokuristen, die am liebsten Schwarzer Peter spielen. Wahrscheinlich wird die Kultusministerkonferenz dafür sorgen, dass der endgültige Reisebericht, den der nationale Koordinator der OECD-Studie bis März abgefasst haben soll, keine Bankrotterklärung wird, sondern in den nach Pisa üblich gewordenen unverbindlichen Reformsound einstimmt.

So richtet sich die Hoffnung auf die Außensicht der OECD und ihrer Experten, die sich bis zur geplanten Veröffentlichung im Mai 2004 zurückhalten müssen. Der Schwede Ekholm sah Deutschlands Schulen auf einer anderen Reise durch die Republik „auf dem Weg in eine alte Zeit“. Lehrer wie Schüler hingen an Marionettenfäden. Viel Energie gehe damit verloren, das ständig verhedderte Garn zu entwirren. Dabei wäre die Therapie einfach: Leinen los!

In einer ersten Stufe ihrer Lehrerstudie hat die OECD den Beruf in 24 Ländern formal verglichen. In der gerade durchgeführten zweiten Stufe wird ergründet, was es in den verschiedenen Systemen heißt, Lehrer zu sein. Offen ist, ob es eine dritte Stufe geben wird. Das wäre dann der von vielen erhoffte und von manchen gefürchtete große Test der pädagogischen Kompetenz: Pisa für Lehrer. Reinhard Kahl

 
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