Gesellschaft Bildung – eine deutsche UtopieSeite 4/4
Der zeitgenössische Pessimismus der deutschen Kultur- und Bildungskritik entspringt offenkundig immer noch dem monumentalen Anspruch des Idealismus, in Bildung und Kultur den deutschen Weg zur vernünftigen Ordnung des Staates entdeckt zu haben. Dank seiner eigenen Verstiegenheit ist dieser Anspruch schon im 19.Jahrhundert gescheitert; doch seine originäre Substanz lebt fort in der deutschen Bildungsdebatte. Dass sie immer noch mit heftiger Inbrunst geführt wird, lässt sich vielleicht aus ihrem ursprünglichen Plan erklären, entweder die ganze Welt zu erlösen oder doch dem einzelnen Menschen zumindest in seiner „machtgeschützten Innerlichkeit“ das Glück zu verschaffen, das andere Nationen im Politischen zu verankern suchten.
Unsere Bildungsdebatten sind insofern historisch undurchsichtige Debatten zur Selbstverständigung. Da wir uns aber keine besseren gesellschaftlichen Diskussionsthemen vorstellen können als angeblich drohende kulturelle oder wirtschaftliche Katastrophen und die Suche nach ihren Schuldigen, werden sie uns so lange weiter begleiten, solange es die Bundesrepublik gibt.
- Datum 04.12.2003 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 04.12.2003 Nr.50
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