Grüne Gentechnik Staatlich veräppelte ForschungSeite 3/3

Zusätzlich belasten Hanke die steten Nadelstiche von Gentechnik-Gegnern. Das Spektrum reicht von Aufrufen, ihre Apfelbäumchen im Falle einer Freisetzung zu zerstören, bis zu behördlicher Kritik, das Versuchsfeld liege im Überschwemmungsgebiet der Elbe und sei deshalb ungeeignet. „Das stimmt nicht“, sagt sie und lädt zur Ortsbesichtigung. „Selbst während des Jahrhunderthochwassers ist hier die Elbe nicht über das Ufer getreten.“ Wir fahren das hohe rechte Elbufer entlang, das den Fluss von der weit landeinwärts gelegenen Versuchsfläche trennt. Das gegenüberliegende Ufer ist viel niedriger. „Dorthin ist das Wasser ausgewichen.“ Die Umweltbürokraten der Stadt Dresden kümmert das nicht. Als Viola Hanke gegen die eklatante Fehleinschätzung protestierte, verwiesen sie auf Satellitenaufnahmen, die damals Wasser am Versuchsfeld gezeigt hatten. „Ja“, sagt sie, „das war stellenweise Staunässe, Regenwasser, das kaum mehr abfließen konnte.“ Egal, hier soll „vorsorgender Umweltschutz“ gelten.

Obwohl das Versuchsfeld sogar eine sanfte Hanglage hat, will das Umweltbundesamt als so genannte Einwilligungsbehörde die Freisetzung in Dresden-Pillnitz untersagen. Wie aus dem Amt verlautet wegen der Überschwemmungsgefahr und mangelnder Vorkehrungen gegen Pollenübertragung. Aber auch da schüttelt Viola Hanke nur den Kopf: Erstens sollten die Apfelbäumchen so geschnitten werden, dass sie nur an wenigen Trieben blühen. Diese würden zweitens von Tüten umhüllt, drittens sollte ein Netz die Bäumchen ganz abdecken, viertens mehrere Reihen normaler Apfelbäume die gentechnisch veränderten Gehölze umringen, damit trotzdem durchgeschlüpfte Insekten dort ihre Pollen abladen.

Anzeige

Aber was geschieht, wenn dennoch ein Gen-Tech-Pollen eine fremde Blüte erreicht? „Dann entsteht im Kerngehäuse des heranwachsenden Apfels ein Kern mit dem resistenten Erbgut. Das Fruchtfleisch jedoch gehört zum weiblichen Blütenteil und bleibt unverändert“, erklärt die Züchterin. Kein Apfelesser wird gezwungen, auch nur ein genetisch verändertes Schnitzchen zu verputzen. Und was ist mit den jährlich entstehenden Milliarden Apfelkernen? Sie gehen in der freien Natur spurlos zugrunde – es sei denn, jemand zieht aus Apfelkernen Bäume unbekannter Güte groß. Was kein Mensch macht. Wo also liegt das Problem?

Fragen wir den zuständigen Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Alexander Müller. Er verweist auf den „erheblichen lokalen Protest“ in Dresden und Bedenken des Umweltbundesamtes (die allerdings noch nicht offiziell vorlägen). Also wolle er sie auch nicht kommentieren. Den Vorwurf, sein Ministerium lehne die Gentechnik ab, weist er entschieden zurück. „Nicht die SPD drückt auf die Umsetzung der Freisetzungsrichtlinie. Wir drücken.“ Vor allem in der Sicherheitsforschung, etwa bei BSE, aber auch beim Feuerbrand, werde Gentechnik eingesetzt. Das bleibe auch in Zukunft so. Der Stopp in Dresden sei keine Frage der Gentechnik.

Vielmehr werde es in der Ressortforschung des Ministeriums künftig strukturelle Änderungen geben: „Wir müssen ihren Schwerpunkt auf die Beratung in Fragen der Sicherheit und des gesundheitlichen Verbraucherschutzes verlagern und von zeitlich sehr aufwändigen Produktentwicklungen wie neuen Apfel- oder Rebensorten wegkommen. Wir züchten ja auch nicht neue Schweinerassen mit mehr Speck“, sagt er.

Da werden die BAZ-Forscher aber staunen: Als professionelle Züchter dürfen sie weiterhin mit der Gentechnik spielen. Nur züchten dürfen sie nicht mehr.

[Abstract]

 
Service