marktwirtschaft Das Gesetz des DschungelsSeite 4/4
„Ohne Konsens über Verhaltensnormen kann kein Gemeinwesen bestehen“, so Marion Dönhoff. Ebenso hatte Roman Herzog leider Recht, als er schon in der Mitte derneunziger Jahre einen „gefährlichen Verlust an Gemeinsinn“ feststellte. Nicht nur in Amerika, sondern auch bei uns haben in den neunziger Jahren private Habgier, Machtgier und Größenwahn einen allzu großen Einfluss auf das Verhalten einiger herausragender Manager ausgeübt. Zu einigen von ihnen sollte man privat – und ebenso als Vertreter des Staates und der Politik – deutlich erkennbaren Abstand halten.
Gegen die unmoralischen Auswüchse ist der unter Gerhard Crommes Vorsitz erarbeitete „Deutsche Corporate Governance Kodex“ ein erster Lichtblick. Der Kodex enthält Empfehlungen für verantwortliche Unternehmungsführung; er ist zwar nicht rechtlich verbindlich, wohl aber ist eine börsennotierte Gesellschaft gesetzlich verpflichtet, zu erklären, ob und wieweit sie den Kodex anwendet. Es wird jedenfalls noch eine lange Zeit vergehen, bis sich Ralf Dahrendorfs vor Jahren geäußerte Hoffnung verwirklicht, ein „moralischer Kapitalismus“ werde „vielleicht der nächste Schritt in unserer Entwicklung“.
„Es gibt aber Dinge, die tut man einfach nicht“, so hat Hans Merkle einmal gesagt. Er war ein hervorragend erfolgreicher und zugleich ein moralischer Manager der Firma Bosch. Es gibt, Gott sei Dank, tatsächlich eine ganze Reihe solcher Beispiele – vornehmlich unter den Eigentümer-Unternehmern, den Industriellen und Kaufleuten, aber auch unter den Managern der Finanzwelt oder der Gewerkschaften. Tatsächlich lassen sich in der deutschen Managerklasse viele persönliche Vorbilder finden. Sie tragen dazu bei, dass sich die kapitalistische Wirtschaftsweise mit der Demokratie und ihrer offenen Gesellschaft vereinbaren lässt.
Tatsächlich hat in Deutschland immer eine Art „moralischer Kapitalismus“ existiert. Dieser erstaunlich anmutende Begriff trifft zum Beispiel auf jene Kapitalisten zu, welche die Erträge ihres Kapitals unwiderruflich ganz oder teilweise dem öffentlichen Wohl zugewendet haben. Dazu gehören die Inhaber mancher der großen privaten Firmen, deren Erträge gemeinnützigen Stiftungen zufließen, so Bosch, Krupp, Mohn/Bertelsmann, Körber, Bucerius/ZEIT, Hertie – und daneben Tausende weitgehend unbekannter privater, aber gemeinnütziger Stiftungen.
Lasst uns solche Stifter, die in vorbildlicher Weise dem Gemeinwohl dienen, öffentlich ehren, damit sie weithin zu Vorbildern werden! Aber auch jene Manager verdienen unsere Achtung, die sich, Hanns Martin Schleyers Mahnung gemäß, mitverantwortlich für das Gemeinwohl verhalten – so wie er selbst es als industrieller Manager getan hat. Schleyers Mahnung liegt zwar 30 Jahre zurück, aber sie ist heute noch notwendiger als damals.
- Datum 04.12.2003 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 04.12.2003 Nr.50
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