Mathematische Entdeckungen werden nicht nur auf Gebieten gemacht, die sich aufgrund ihres Abstraktionsniveaus dem Verständnis gewöhnlicher Sterblicher entziehen. Auch das Feld der so genannten Unterhaltungsmathematik hält noch zahlreiche ungelöste Rätsel parat – seit zwei Wochen jedoch eines weniger.

Da fanden nämlich der Mathematiklehrer Walter Trump aus Nürnberg und der Softwareberater Christian Boyer aus Paris die Antwort auf eine Frage, die seit 150 Jahren offen war: Gibt es perfekte magische Würfel der Ordnung 5? Es gibt sie, siehe Grafik.

Was ein magisches Quadrat ist, wissen die meisten: ein Quadrat, in dem Zahlen so angeordnet sind, dass die Summe in jeder Zeile, Spalte und Diagonale dieselbe ist. Bei einem magischen Würfel der Ordnung n werden die Zahlen von 1 bis n3 räumlich so angeordnet, dass nicht nur in jeder Zeile, Spalte und Säule dieselbe Summe entsteht, sondern auch in den vier Raumdiagonalen. "Perfekt" nennt man den Würfel, wenn zusätzlich die Diagonalen in den 3·n möglichen "Scheiben" ebenfalls dieselbe Summe aufweisen.

Den bisher kleinsten dieser perfekten Würfel, einen mit der Ordnung 7, hatte ein englischer Missionar 1866 entdeckt. Dass es keine perfekten magischen Würfel der Ordnung 3 und 4 gibt, ist seit 1972 bekannt. Die Frage war: Was ist mit 5 und 6?

Trump und Boyer konnten in den vergangenen Monaten gleich beide Fragen beantworten, indem sie entsprechende Würfel fanden. Mit Computerhilfe natürlich – dazu spannten sie nicht nur ihre eigenen PCs ein, sondern auch die von Freunden und Verwandten. Aber auch wenn der Rechner die grobe Arbeit tut, so steckt doch eine Menge Gehirnschmalz in der Rechnung – eine Lösung durch einfaches Ausprobieren könnte kein Computer in der Lebensspanne des Universums finden.

Der Fünferwürfel tauchte schließlich am 12. November auf dem Rechner von Trumps 20-jährigem Sohn Daniel auf – der teilte seinem Vater die Neuigkeit am Frühstückstisch mit, "bewusst beiläufig", erzählt Trump. Christoph Drösser