Allmacht Die Flieger der NationSeite 9/11

Sie sind beide nur 30 Kilometer voneinander entfernt im Vogtland aufgewachsen – der eine in Thüringen, der andere in Sachsen. Warum hat der eine die DDR verlassen, und der andere ist geblieben?

Merbold : Mein Vater war Lehrer und wurde, nachdem er im Sommer 1945 aus amerikanischer Gefangenschaft nach Thüringen zurückgekehrt war, von den Russen verhaftet und ohne jegliches Gerichtsverfahren in das KZ Buchenwald gebracht. Dort ist er 1948 verhungert. Diese so genannten Sonderlager wurden bis in die DDR-Zeit weitergeführt. Aber darüber durfte nicht geredet werden. Das hat mich am Sozialismus von Anfang an zweifeln lassen. Deshalb wollte ich auch nicht in die FDJ. Als ich mich dann zum Physikstudium an der Uni Jena bewarb, bin ich trotz guter Noten abgelehnt worden. Ich sollte mich erst »in der Produktion bewähren«, wie das damals hieß. Da ging ich in den Westen und ließ alles hinter mir, was mir wichtig war, meine Freundin, meine Mutter, meine Großmutter. Das war die schwierigste Entscheidung meines Lebens.

Haben Sie, Herr Jähn, sich in der DDR irgendwann beengt gefühlt?

Jähn : Nein. Ich bin einen anderen Weg gegangen. Mein Vater war Forstarbeiter. Ich hätte studieren können, aber zu Hause hörte ich, ich solle einen ordentlichen Beruf lernen. Also wurde ich Buchdrucker und ging später zur Armee, weil ich fliegen wollte. Das ist eben deutsche Geschichte, das sind deutsche Schicksale.

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Sie haben den Mauerfall gemeinsam erlebt.

Merbold : Wir waren bei einem Treffen der Association of Space Explorers in Riad in Saudi-Arabien. Dort saßen wir zusammen auf dem Bett im Hotelzimmer und sahen im Fernsehen die Leute auf der Mauer tanzen.

Jähn : Es war auch eine Freude für mich. Es war das Ende des Zweiten Weltkriegs. Ich sehe noch das Foto in einer arabischen Zeitung: eine Frau auf der Bornholmer Brücke in Berlin, überglücklich, ihr Kind auf den Schultern. Das Gesicht werde ich nicht vergessen.

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