Liest George W. Bush die ZEIT, in der wir vor drei Wochen mit dem gebotenen Hohn über seine Stahlschutzzölle (30 Prozent) räsonniert haben?

Natürlich nicht - allein schon bei den vielen Umlauten würde ein English speaker die Augen verdrehen. Trotzdem hat er die Wahrheit, in diesem Fall die unumstößliche, erkannt und die Zölle zurückgenommen. Es ist ein kleiner Sieg für den Freihandel und damit für die europäische Wirtschaft ebenso wie für die amerikanische.

Die reine Wahrheit ist, dass Zölle immer dem Land schaden, das sie verhängt.

In Amerika schossen die Stahlpreise nach oben, was ein Durchschnittsauto um 100 Dollar verteuerte. Fünfmal mehr Jobs wurden in der stahlverarbeitenden Industrie vernichtet als in der stahlerzeugenden gerettet. Derweil diese 240 Millionen Dollar mehr kassierte, verlor jene 600 Millionen. Vergeltung durch die EU hätte noch mehr Jobs im Exportsektor gekostet - von Zitrusfrüchten bis zu Motorrädern.

Hat George W. bei David Ricardo und Adam Smith nachgelesen? Wohl kaum. Aber er hat erkannt, dass die Vergeltung just Staaten wie Florida treffen würde, wo über seine Wiederwahl entschieden wird. Macht nichts. Hauptsache ist, dass auch eigennützige Motive die richtige Politik zeugen. Der Handelskrieg wird abgesagt. Demnächst wenden wir uns dem EU-Agrarprotektionismus zu, der die Bürger 45 Millarden Euro im Jahr kostet.