Trotz erster Pleite in der Branche, trotz drastisch gesunkener Überschüsse: Die Allianz Lebensversicherung kennt keine Krise, sie ist in den ersten neun Monaten sogar zweistellig gewachsen. So lautete jüngst die Botschaft des Vorstandsvorsitzenden Gerhard Rupprecht. Bei genauerer Betrachtung allerdings entpuppt sich die Erfolgsstory als Luftnummer.

So wertet die Allianz Leben beispielsweise auch die so genannten Dynamik-Erhöhungen als Neugeschäft. "Dynamik" bedeutet: Aufgrund vertraglicher Vereinbarung erhöhen sich bei Bestandskunden die Prämien automatisch parallel zur Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der gesetzlichen Rentenversicherung. In 2003 hat sich dieser Neugeschäftsanteil bei der Allianz Leben fast vervierfacht.

Wie das? Zu Jahresbeginn war die BBG, historisch einmalig, um 13,3 Prozent gestiegen - entsprechend fielen die automatischen Prämienerhöhungen aus. Mit neuen Kunden hat das nichts zu tun. Es handelt sich um einen nicht wiederholbaren Sondereffekt.

Außerdem nannte die Allianz Lebensversicherungs-AG Zahlen der Allianz Leben Gruppe, in die das gesamte Firmenkundengeschäft einbezogen wurde. So gingen etwa neben Versorgungswerken die stark gestiegenen Einnahmen der Allianz-Pensionskasse mit in die Rechnung ein.

Die Pensionskasse ist aber ein rechtlich selbstständiges Lebensversicherungsunternehmen, bestätigt die Aufsichtsbehörde BAFin. Die Einnahmen sind daher unabhängig von denen der Allianz Lebensversicherungs-AG zu betrachten. Bereinigt um das Firmenkundengeschäft und die in dieser Höhe einmaligen Dynamik-Erhöhungen, sind die laufenden Prämieneinnahmen der Allianz Leben im Kerngeschäft mit Privatkunden sogar um 0,3 Prozent gesunken.

Von der Allianz hieß es auf Anfrage, wegen des Booms bei der betrieblichen Altersvorsorge hätten die Vertreter in diesem Jahr "einen gewissen Anteil ihrer Verkaufs- und Vertriebskapazitäten umgeschichtet".