Dass Sie mit unserer Zeitung alles Mögliche machen, nachdem Sie diese gelesen haben (oder sogar ohne sie gelesen zu haben?), ist uns nicht entgangen. Dass sich gerade die Weihnachts -ZEIT zum Einpacken größerer Geschenke eignet, wissen wir selbst, und dabei wollen wir Ihnen gerne entgegenkommen. Deshalb haben wir – in diesem Jahr zum dritten Mal – eine Künstlerin gebeten, aus einer Doppelseite im Leben ein Weihnachtspapier zu gestalten.

In den letzten beiden Jahren waren die Österreicherin Uli Aigner und der Koreaner Do-Ho Suh für uns kreativ. Für dieses Weihnachten haben wir Kara Walker gefragt, eine der begabtesten jungen amerikanischen Künstlerinnen. Oder, wie sie sich selbst provozierend nennt, eine "Negerin von bemerkenswertem Talent".

Diese eigenartige Bezeichnung, altmodisch, blumig und rassistisch zugleich, deutet bereits auf das Thema ihres Werks: Die 34-Jährige arbeitet mit Scherenschnitten. Diese waren ein beliebter Zeitvertreib und ein verbreitetes Medium im viktorianischen Amerika (und im neoklassizistischen Europa).

Traditionell schnitt man Porträts und Landschaften aus. Aber bei Kara Walker ist die Szenerie außer Kontrolle geraten: Auf den Baumwollplantagen ihrer Fantasie vereinigen sich die Südstaatenschönheit und der Sklavenhalter und seine Lieblingssklavin in einem Machtspiel aus Sinnlichkeit und Sex – Klischees, die bis heute nachwirken.

In Ausstellungen sind Walkers Silhouetten oft lebensgroß. Gone. An Historical Romance of Civil War as it Occurred Between the Dusky Thighs of a Young Negress and Her Heart hieß ihr erstes Wandbild, mit dem sie 1994 bei einer Gruppenausstellung in New York sofort auffiel.

Drei Jahre später erhielt sie die MacArthur Fellowship, in den USA auch Genie-Preis genannt, mit dem jedes Jahr ungewöhnlich kreative und eigensinnige Amerikaner aus allen Arbeitsbereichen ausgezeichnet werden. 2002 vertrat sie ihr Land auf der Biennale von São Paulo. Ihre Arbeiten wurden im Museum of Modern Art gezeigt, im Whitney Museum of American Art und in einer Einzelausstellung im Guggenheim.

Kara Walker wuchs in Kalifornien und Georgia als Tochter eines Malers auf. Obwohl christliche Rituale in den Weihnachtstagen ihrer Kindheit kaum eine Rolle spielten, erinnert sie sich, immer reich beschenkt worden zu sein.

Für unser Weihnachtspapier hat sie sich dem Thema von den Rändern her genähert, über die festlich geschmückten Haare ihrer Silhouetten und die Kanten unserer Doppelseite (siehe auch das Interview Meine Seite der Geschichte ). Beim kunstvollen Geschenkeeinpacken, so ihre Idee, können die Ränder so zusammengefügt werden, dass aus einem geteilten Motiv wieder ein vollständiges wird – jedenfalls erweckt die Arbeit zunächst diesen Eindruck.