Gute Nachrichten. Das Abkommen zur Erhaltung der Fledermäuse in Europa, das absichtliches Fangen, Halten oder Töten von Fledermäusen verbietet, wurde durch einen Anhang ergänzt, der unter anderem auch den Ägyptischen Flughund, die Nacktbäuchige Tempelfledermaus und die Mopsfledermaus unter Schutz stellt. Solche Nachrichten verbreitet das Auswärtige Amt unter www.auswaertiges-amt.de , dazu Nachrichten über den Dialog mit dem Islam, über Menschenrechte und Rüstungskontrolle. Es stellt sich schützend vor deutsche Touristen im Ausland, die deutsch-französische Freundschaft und, wo es notwendig ist, auch vor bedrohte Fledermäuse. Das Amt hat die Welt im Blick, rund um die Uhr.

Im Keller des Auswärtigen Amtes in Berlin ticken neun große Normaluhren. Sie zeigen die Zeit in den Hauptstädten der Welt. Hier, im Krisenreaktionszentrum, holt ein Mitarbeiter der Kartenabteilung Bagdad auf dem Schirm, Satellitenaufnahmen zeigen das Grundstück der deutschen Botschaft, Fluchtwege und gefährdete Punkte. Eine Krisenakte liegt bereit, mit Evakuierungsplänen, Sammelpunkten, der Liste der Deutschen, die im Ernstfall benachrichtigt werden müssten. Man ist vorbereitet. Jedes Land hat so eine Krisenakte in der Abteilung 040. In Bolivien mussten sie gerade rund hundert deutsche Staatsangehörige evakuieren.

Carsten Müller, 46, Beamter vom Dienst, hofft, dass es diesmal eine ruhige Nacht wird. Vor ihm bewegt sich die Welt, zehn Bildschirme mit internationalen Nachrichtensendungen. An der Wand – wegen des anwesenden Reporters unter einem Bettlaken verborgen – hängt eine große Tafel mit den Privat- und Handynummern des Ministers und der Staatssekretäre; vor ihm liegt das Wachbuch, in das er alle wichtigen Vorkommnisse einträgt. Vier Telefone werden ihn durch die Nacht begleiten. Eins trägt die Aufschrift "Vorsicht! Abhörgefahr!" Es klingelt. Eine Anruferin will wissen, ob sie einen Reisepass für die Einreise nach Ägypten braucht. Solche Anrufe sind Routine. Manchmal sind es auch einsame Herzen. Oder jemand hat in Berlin Ghaddafi in der U-Bahn erkannt. "Inzwischen schreiben Reiseveranstalter die Hotline des Auswärtigen Amtes größer als ihre eigene Telefonnummer in die Unterlagen", bemerkt der Beamte. Kein Wunder, wo gibt es noch kostenlosen 24-Stunden-Service?

Das Lagezentrum ist die Nachtwache der Nation. Deutschland schläft nicht. Nachrichtenagenturen senden ihre Tickermeldungen; ohne Pause produzieren BKA und BND streng geheime Informationen, schicken die Botschaften in aller Welt ihre verschlüsselten Drahtberichte, die immer noch so heißen, obwohl sie längst drahtlos sind. Sie müssen sofort zugestellt werden, wenn sie den Vermerk "citissime nachts" tragen. Aber den Minister muss er heute nicht wecken.

Joschka Fischer weilt in New York und ist auf drei Schirmen gleichzeitig zu sehen. "I had a very strong discussion with my friend Colin Powell", sagt er auf n-tv, CNN und BBC. Freund Colin nickt. Und als Fischer sagt: "Our troops do a pretty good job in Afghanistan", nickt er auch.

Im Krisenreaktionszentrum bleibt es ruhig. Terror, Katastrophen und Geiselnahmen können die Nachtwache von einer Sekunde zur anderen in Alarmzustand versetzen. Im Ernstfall kann das Amt 125 Freiwillige mobilisieren, die im Telefonpool Anrufe beantworten, wie nach dem Concorde-Absturz in Paris, als 96 Deutsche unter den Opfern waren. In den Wochen nach dem 11. September 2001 kamen 50.000 Anrufe. Seit der Jahrtausendwende musste die Bundesregierung 40 Krisenstäbe einberufen. Der Krisenstab für die Befreiung der Familie Wallert brauchte 72 Sitzungen bis zum guten Ende.

Diplomaten und Flaneure nuckeln Latte Macchiato

Manchmal geht es aber auch ganz schnell. Wenn morgens um vier ein Militärattaché aus Albanien anruft und einen KFor-Hubschrauber anfordert, um einen Schädelverletzten aus einem Provinzhospital rauszuholen, muss der Beamte vom Dienst allein entscheiden, wie er einen Hubschrauber und einen Rettungsflieger mit einem Neurologen organisiert. Die Frage, wer das alles bezahlt, ist dann, ausnahmsweise, mit zwei Telefonaten geklärt. Das Wort gilt. Man kennt sich.