Sie sollen die klügsten Köpfe sein, Vertreter der internationalen Elite, die das Weltgeschehen von morgen bestimmt – jene ausländischen Studenten, die derzeit von deutschen Hochschulen massiv umworben werden. "Im Wettbewerb um die Ausbildung der globalen Führungskräfte", tönt der Beauftragte der Bundesregierung für internationales Hochschulmarketing, Max Huber, "können für uns nur die USA Vergleichsmaßstab sein." Mit einer Werbekampagne für 18 Millionen Euro gehen deutsche Hochschulen unter Anführung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) seit drei Jahren auf weltweiten Kundenfang. Der Erfolg blieb nicht aus. Mehr als 200000 ausländische Studenten bevölkern mittlerweile deutsche Hörsäle, über 40 Prozent mehr als noch vor sechs Jahren.

Doch der Erfolg der groß angelegten Aktion ist eher fragwürdig (ZEIT Nr. 24/03). Das belegt nun auch eine Studie, die der DAAD zum Abschluss seiner Kampagne beim Hochschul-Informations-System (HIS) in Auftrag gab. Nach Stichproben an der Universität München, der TH Aachen und an der Fachhochschule Hamburg kommt die Untersuchung zu einem verheerenden Ergebnis: 60 und mehr Prozent der ausländischen Erstsemester verschwinden spurlos. Niemand weiß, ob sie das Fach gewechselt haben, umgezogen sind oder das Studium einfach an den Nagel gehängt haben. Dementsprechend düster sieht es mit dem Studienergebnis aus: Bis zum Sommer 2002 hatte nach 16 Semestern jeweils nur etwa ein Viertel der Zugereisten einen Abschluss erreicht, in Aachen war es gar nur ein Fünftel.

Im internationalen Vergleich erscheint diese Bilanz katastrophal. An englischen Hochschulen etwa schließen 80 und mehr Prozent der auswärtigen Studenten ihr Studium erfolgreich ab. "Kein Kommentar", heißt es beim HIS auf die Frage nach der Interpretation ihrer Ergebnisse. Doch Ulrich Heublein, Hauptautor des noch unveröffentlichten Zahlenwerks Studienverlauf im Ausländerstudium, leistet einen verblüffenden Offenbarungseid: "Es mangelt an klaren Bewertungsmaßstäben, welche Erfolgsquote als hoch und welche als niedrig einzuschätzen ist." Staatliche Hochschulen setzen sich eben – anders als private Unternehmen – keine klaren Ziele, an denen sich ihr (Ausbildungs-)Erfolg messen ließe.

Beim DAAD war man gleichwohl über das Ausländerfiasko derart entsetzt, dass schnell eine weitere Untersuchung über das Abschneiden der inländischen Studenten in Auftrag gegeben wurde. Auch deren Ergebnis fiel desaströs aus: In München und Hamburg erreichte nach 16 Semestern nur rund die Hälfte der Deutschen einen Abschluss, in Aachen gar nur 30 Prozent. Doch diese bedrückende Tatsache lässt sich nun paradoxerweise geradezu als Erfolg der Ausländerpolitik verkaufen. Eine aktuelle Pressemitteilung des DAAD vergleicht nämlich das Abschneiden in- und ausländischer Studenten und stellt fest: Auf zehn deutsche Absolventen kommen sieben ausländische. Ergo sehe das Schicksal der Zugereisten gar nicht so schlimm aus.

Dabei wendet sich die HIS-Studie ausdrücklich gegen jeden "Vergleich der Werte ausländischer Studierender mit denen ihrer deutschen Mitstudenten. Denn die Studienvoraussetzungen sind zu unterschiedlich." So können Universitäten und Fachhochschulen in den meisten Bundesländern Ausländer ohne EU-Pass nach fachspezifischen Eignungstests aufnehmen oder abweisen, sich also jeweils die Geeignetsten aussuchen.

Doch das mit den "Geeignetsten" ist so eine Sache. Viele Studenten aus währungsschwachen Ländern kommen nur deshalb nach Deutschland, weil sie hier keine Gebühren zahlen müssen. Für 50 Prozent von ihnen seien deutsche Hochschulen nur zweite Wahl, sagt Ulrich Heublein. Und für ebenso viele sei das Studium nicht der Lebensmittelpunkt. Denn ausländische Studenten sind durchweg aufs Jobben angewiesen. Weniger als ein Drittel ihres verfügbaren Einkommens stammt nach HIS-Studien aus dem jeweiligen Heimatland.

Viele ausländische Studierende, meint auch Jochen Hellmann, Abteilungsleiter Internationales an der Universität Hamburg, wollten den Studentenausweis nur zur "Aufenthaltsverstetigung" benutzen – so wie etwa jene Koreanerin, die zu Hause ein Kunstgeschichtsstudium überragend abgeschlossen hat und in Hamburg eine Galerie betreibt. "Sie sorgt für sich selbst und bereichert unsere Kunstszene", sagt Hellmann. Für solche gut ausgebildeten Migranten seien "Einwanderungsbedingungen ohne den Umweg über ein weiteres Studium" wünschenswert. An der Hochschule jedoch hätten solche "Karteileichen" nichts verloren.

Deshalb ist der DAAD dafür, sich von der traditionellen "Entwicklungsförderung Benachteiligter" abzukehren und gezielt "Eliteförderung" zu betreiben. Künftig sollten vorwiegend solche Studenten ins Land geholt werden, die sich für ein Stipendium qualifiziert haben und sich hier zum Master oder Doktor weiterbilden. Nur mit einer solchen Auswahl, verbunden mit einer laufenden Leistungskontrolle, ließe sich die Erfolgsquote ausländischer Studenten in Deutschland verbessern – und damit auch wirklich jene "klugen Köpfe" anziehen, die stets beschworen werden. Dafür aber muss die Werbetrommel im Ausland nach wie vor gerührt werden. Wie stellte doch DAAD-Chef Christian Bode dieser Tage treffend fest: "Auswählen kann man erst, wenn sich genug Bewerber melden." Hermann Horstkotte