DIE ZEIT: Herr Buergel, darf ich Sie beglückwünschen, oder muss ich Sie bedauern?

Roger M. BUERGEL: Beglückwünschen natürlich. Warum fragen Sie?

ZEIT: Weil ich nicht weiß, ob wir Großausstellungen wie die Documenta überhaupt noch brauchen. Das sind doch oft nur noch inhaltsleere Materialschlachten, so wie die letzte Biennale in Venedig.

BUERGEL: Sie haben Recht. Viele dieser Ausstellungen wirken wahllos. Ich bin gar nicht erst nach Venedig gefahren, da bleibe ich eh nur in den Kirchen oder in der Accademia hängen. Mir missfällt einfach der überkandidelte Auftrieb, bei dem es allein darum geht, den aktuellen Stand der Kunst zu ermitteln.

ZEIT: Eben darum ging es bei der Documenta doch bislang auch immer…

BUERGEL: Mir wäre das zu vordergründig. Die Documenta ist ja ein Museum für 100 Tage, und in diesem Museum möchte ich die Moderne zeigen, die Moderne seit 1789.

ZEIT: Auch Bilder im Goldrahmen?