Der Buchhändler ist dumm und böse. Sagt die Lektorin. Die Verlage produzieren zu viele schlechte Bücher. Sagt die Buchhändlerin.

Bücher sind zu billig. Sagt der Vertriebsleiter. Bücher sind zu teuer. Sagt der Kunde.

Es wird immer weniger gelesen. Sagt die Stiftung Lesen. Der Bildungshunger der Leute ist gewaltig. Sagt der Geschäftsführer der Buchhandelskette.

Die Tante-Emma-Struktur des Buchhandels ist am Ende. Sagt der Großhändler. Die Kreativen werden überleben. Sagt der Vorsteher des Börsenvereins.

Ja, was denn nun? Wen man in diesen vorweihnachtlichen Tagen auch fragt nach der Lage des deutschen Buchhandels – jeder gibt eine andere Antwort. Unstrittig ist nur, dass die Branche selbst bei einem guten Geschäft vorm Fest in diesem Jahr bestenfalls soviel Umsatz macht wie im Jahr zuvor. Und schon da hatte man zwei Prozent Minus gemacht. Ist das eine Krise?

"Wir warten auf die Krise, immer schon", sagt Reinhold Gondrom, lehnt sich in seinem schwarzen Hemd in seinen schwarzen Designersessel zurück, lässt seinen Blick durch das in Schwarz gehaltene Büro schweifen und nippt an seinem Espresso, den er schwarz trinkt, natürlich. Nur schwarzsehen kann er nicht, will er nicht, braucht er nicht. Gondrom ist der Geschäftsführer der gleichnamigen Buchhandelskette, der neuntgrößten in Deutschland, mit 29 Filialen zwischen Zweibrücken und Köthen. "Wir haben keine Sorgen." Gondrom spricht von Umsatzsteigerungen im zweistelligen Bereich, der Buchhandel sei so wenig in der Krise wie das Lesen selbst, "er definiert sich jetzt nur anders".

Immer größer, immer öder

Er ist schneller, schriller, vielfältiger geworden. Hatte ein Buch früher ein halbes Jahr Zeit, seine Käufer zu finden, bleiben ihm dafür nun mitunter nur sechs Wochen, dann verschwindet es in den Untiefen der Buchkaufhäuser oder gleich im modernen Antiquariat. Aus dem Werk für die Ewigkeit ist eine Ware mit Verfallsdatum geworden. Damit hat auch die Marktschreierei in eine bislang konservative, mitunter betuliche Branche Einzug gehalten. Alle gotischen Kathedralen für nur 10 Euro! Die besten Rezepte aller Zeiten für die Hälfte! Am Eingang, mitunter im ganzen Erdgeschoss blasen die Sonderangebote zur Attacke. Obwohl die Preisbindung für Bücher nach wie vor Gesetz ist, tobt an den Wühltischen der Preiskampf – oder zumindest seine Simulation. Der neuen gesellschaftlichen Maxime, dass Geiz geil sei, muss auch der Buchhandel Rechnung tragen. Auch wenn er das von Rechts wegen gar nicht richtig kann.