Buchhandel Blättern im NaherholungsgebietSeite 3/3

Doch der Marktzynismus ist eben nur eine Seite von vielen in dem dicken Wälzer des deutschen Buchhandels. „Die Inhalte sind entscheidend, nicht die Rabatte!“, glaubt zum Beispiel Reinhold Joppich, seit fast 20 Jahren Vertriebsleiter beim Verlag Kiepenheuer und Witsch in Köln, ein Mann, der alle Tricks kennt, mit denen man Bücher verkauft. Das ganze Billiger!-Billiger!-Geschrei verunsichere den Kunden. Aber Joppich gesteht auch Fehler der Verlage ein. „Die Überproduktion ist ein Problem. Es gibt zu viele Trittbrettfahrer.“ Hat ein Bachblüten-Buch Erfolg, ziehen zehn andere nach; der Markt verstopft, so wie die Flut der Lese-Exemplare den Buchhändlern Luft und Lust nimmt, sich für einen Titel besonders einzusetzen. In der Panik, etwas zu verpassen, ruiniert die Branche ihre Marketinginstrumente.

Und wie weiter? Natürlich werde es für die kleinen Buchhandlungen schwieriger, gegen die Marktmacht der Großen zu bestehen, gibt Dieter Schormann, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zu. „Die können keine so attraktive Architektur bieten oder noch mehr Mitarbeitern einsparen.“ Doch ihr Kapital bleibe die Sympathie der Kunden, die es so in keiner anderen Branche gebe, „dieses Tante-Emma-Wir-Gefühl“. Das gelte es zu konservieren, mit Stammkundenpflege, einer neuen, zeitsparenden Organisation der Warengruppen, in der vielleicht Wellness neben Kochen steht, mit Veranstaltungen, von denen es schon jetzt jedes Jahr 35000 gibt. „Vielleicht werden Buchhandlungen zu richtigen Veranstaltungsagenturen“, jedenfalls müssten sie sich öffnen, Kulturarbeit für ihre Region leisten. Außerdem, glaubt Schormann, wird es mehr Kooperationen geben, mit Gastronomen oder anderen Einzelhändlern – Bücher handeln von allem, weshalb man sie mit vielem kombinieren kann. Und was spricht dagegen, sich als traditionelle Buchhandlung ins Internet zu wagen, was viele ja schon tun? Die gebrauchten Bücher der Stammkunden in die eBay- und amazon-Community einzuspeisen? Sogar den Buchladen als Servicestation kann der Vorsteher sich vorstellen, wo man, unterstützt vom fachkundigen Personal, an speziellen Terminals entlegene Fachliteratur herunterlädt. Lauter Chancen. Die Probleme kommen dann von selbst.

Anzeige

 
Service