Eigentlich dachte man, Bonn sei längst nach Berlin verzogen und die neue architektonische Ikonografie der Hauptstadt lange vollendet. Doch schon wieder - diesmal wohl wirklich zum letzten Mal - feiert das Parlament in dieser Woche eine Einweihung: Nach neun Jahren Plan- und Bauzeit wird das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus übergeben. Entworfen wurde es, so wie das benachbarte Paul-Löbe-Haus, vom Münchner Architekten Stephan Braunfels, und beide zusammen fügen sich nun zum gewaltigen "Band des Bundes", das die Spree überspringt und symbolhaft Ost und West verbindet. Es beherbergt die Büros der Abgeordneten und jetzt auch die Bibliothek des Bundestages, die drittgrößte ihrer Art weltweit, und einen gewaltigen Saal für öffentliche Anhörungen. Spätestens seit seiner Pinakothek der Moderne in München ist Braunfels bekannt für kühle, rationale Schönheit, und so verleiht er auch in Berlin der Bürokratie einen Rahmen überzeitlicher Grandezza. Aber sosehr man sich an dem strengen Spiel der großen Kreise und Quader erfreuen mag, so erhaben-freudig Braunfels seinen Platz an der Spree komponierte - noch mehr vom Gleichen möchte man lieber nicht. Just dies aber ist geplant, denn jetzt schon gilt auch der riesige Neubau als zu klein. Sobald ein DDR-Plattenbau abgeräumt sein wird, soll das Band des Bundes gen Osten weiter wachsen - auch wenn es dann die Stadt nicht mehr verbinden, sondern eher teilen wird.

Diesmal in Nord und Süd.