Franken ist im Moment nicht gerade eine Fußballhochburg, die Clubberer aus Nürnberg und Greuther Fürth murkeln in der zweiten Liga rum, und WM-Spielort wird man auch erst 2006. Und doch will man im Fränkischen das Höchste: eine Deutsche Akademie für Fußballkultur. In Zusammenarbeit mit dem Zentralorgan der deutschen Balltreterei, dem ebenfalls fränkischen Kicker-Sportmagazin, möchte die Stadt Nürnberg ein "Kompetenz-Zentrum für Fußballthemen in Deutschland" gründen. Natürlich gibt es bereits den allmächtigen Deutschen Fußballbund, aber der ist erstens ein Hesse (Sitz: Frankfurt) und tut sich zweitens schon immer schwer damit, über die gesellschaftspolitische oder gar kulturelle Bedeutung der wichtigsten deutschen Sportart nachzudenken. Auf fünf Säulen soll die Akademie ruhen: öffentlichen Veranstaltungen (Lesungen, Diskussionen et cetera), auf einer Kontaktbörse für Fußballkultur, dem "Spitzenspiel", einer Art exquisiten Branchentreffens, einer Hall of Fame des deutschen Fußballs und der Vergabe eines Deutschen Fußballpreises. Zwei denkbare Stadien für den intellektuellen Kampf um den Ball hält die Stadt des neunmaligen Meisters schon bereit, fehlen noch ein paar geeignete (sprich: finanzstarke) Mitspieler, einige hundert Akademiemitglieder und ein veritabler Präsident. Solange der kein Kaiser aus Bayern ist, kann alles gut werden.