Das Leben ist schön! Es ist bunt, zugegeben, es ist oft gemustert, manchmal arg kariert, dann wieder gesprenkelt, meistens aber gestreift wie ein Regenbogen, nur dass die Farben nicht so geschmackvoll zusammengestellt sind. Es ist viel Braun dabei, auch Schwarz, auch Pink, neuerdings Türkis, also sagen wir vielleicht besser, das Leben sieht aus wie ein Skianzug, jedenfalls nach Freizeitkleidung. Man muss das mögen. Manche mögen es nicht. Aber was haben diese Leute mit ihrer feindlich negativen Einstellung gewonnen?

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind alt, Sie kriegen keine Rente oder doch nur eine, die für eine Taschenflasche Korn täglich reicht. Was machen Sie dann? Sie stehen auf der Straße, sie wärmen Ihre Hände über einer brennenden Mülltonne, und wenn Sie sich nun nicht über die Farbe des Feuers freuen (Rot-Orange) und die des beißenden Qualms (Braunschwarz), worüber sollten Sie sich dann freuen? Wir haben an dieser Stelle einmal über die Familie Schewski berichtet, die in ihrer kleinen Garage generationenübergreifend an einem Modell der Freizeitgesellschaft arbeitet. Opa Schewski hat das Produkt entworfen, und Mutter Schewski ist inzwischen sogar Hamburger Kultursenatorin geworden. Sie hat sich von Papa gerade noch einmal amtlich bestätigen lassen, dass Kultur etwas mit Freude und Freizeit zu tun hat. Das ist sehr richtig.

Auch an dem qualmenden Müllberg der abendländischen Kultur kann man sich noch wärmen oder sogar gewaltig die klammen Fingerchen verbrennen. Bildung kostet nichts und Unbildung noch viel weniger. Recht betrachtet, ist die ganze Schönheit des Lebens fast gratis, es handelt sich um ein echtes Schnäppchen. Ludwig Tieck hat eine Novelle geschrieben, die heißt Des Lebens Überfluss, da lebt ein Pärchen von nichts als Luft und Liebe und verfeuert nur die eigene Haustreppe, um zu heizen. Andererseits sollte man am Wühltisch des Lebens auch nicht gleich vor guter Laune ausflippen.

Ulrich von Hassell erzählt in seinen Tagebüchern aus den Kreisen des konservativen Widerstands gegen Hitler, wie sehr ihnen allen Goerdeler durch seinen Optimismus auf die Nerven gegangen sei. Die Widerständler waren seriöse, pessimistische Leute, da störte die zukunftsfrohe Tatkraft gewaltig. Hassell nennt Goerdelers Grundstimmung "Sanguinismus", und das war nicht nett gemeint. Sanguinismus als Vorwurf, da wären Opa und Mutter Schewski nicht einverstanden. Aber uns freut’s schon wieder, es fügt dem Farbenspiel des Lebens einen schönen dunklen Ton hinzu.