Fotohandys bringen Thomas Freese ins Schwärmen: "Da tut sich was ganz Großes für uns auf." Freese betreut bei Kodak den Bereich "Mobile Imaging", also Dienstleistungen rund um Handys mit eingebauter Kamera. Kaum ein neues Mobiltelefon kommt ohne Fotolinse aus: Laut Marktforschung wird es 2006 in Europa 13Millionen Digitalkameras geben – und 100Millionen Kamerahandys. Anders als der Fotoapparat ist das Handy fast immer dabei. Damit ergeben sich mehr Gelegenheiten für Schnappschüsse, die per Multimedia Messaging Service (MMS) versendet und ausgedruckt werden können. Zwar ist die Auflösung der Fotohandys in Europa mit maximal 0,3 Megapixel noch bescheiden. Dennoch wird die Kamerafunktion eifrig genutzt, zum Beispiel als stets greifbares Bildertagebuch.

Die Mobilfunkbetreiber hoffen auf steigenden Umsatz. Damit die Bilder nur noch über MMS verschickt werden, nehmen sie offenbar gezielt Einfluss auf die Technik. "Einige Netzbetreiber versuchen, die Nutzbarkeit der Handys zu limitieren", kritisiert Freese. In Österreich etwa, sagt der Kodak-Experte, sei bei den ersten UMTS-Handys von Motorola die Übertragung von Fotos über den drahtlosen Funkstandard Bluetooth ausgeschlossen worden. Auch nach Deutschland kommen immer mehr Kamerahandys, bei denen man die Bilder weder über Infrarot noch per Bluetooth auf den PC laden kann, um sie dort zu archivieren oder auszudrucken.

Kein Anschluss an den Rechner

Diese Erfahrung machte auch ComputerBild- Redakteur Matthias Haack. Er hat sechs Kamerahandys getestet: "Wir hatten zum Teil Mühe, die Bilder zur Beurteilung der Qualität auf den Rechner zu laden." Etwa beim Samsung SGH-E700, das zwar eine Infrarotschnittstelle hat, aber keine Fotoübertragung erlaubt. "Da mussten wir uns ein Datenkabel aus Österreich und Software von Samsung besorgen", sagt Haack. Beim Sharp GX-20 und dem Motorola V300 habe es nicht mal ein Datenkabel gegeben: "Die Fotos mussten wir als MMS an eine E-Mail-Adresse schicken". Der Fachredakteur vermutet, dass die Netzbetreiber Druck auf die Hersteller ausüben, damit diese Handys auf den Markt bringen, die nur MMS-Übertragung zulassen. Tatsächlich sind von den Einschränkungen besonders Geräte betroffen, die Hersteller exklusiv für einen Netzbetreiber bauen, wie etwa das Siemens ST55 (T-Mobile), das Sharp GX-20 (Vodafone) oder das Motorola V300 (T-Mobile).

Von Druck seitens der Hersteller könne keine Rede sein, meint dagegen Volker Häbel, Marketingleiter Handys bei Motorola. Schließlich habe man auch Geräte im Angebot, welche die Fotoübertragung erlauben. Das V300 jedoch sei eigens für T-Mobile konstruiert worden. "Auf Wunsch von T-Mobile wurde Bluetooth nicht eingebaut", räumt Häbel ein.

Neun Fotos kosten zehn Euro

T-Mobile-Sprecher René Bresgen bestreitet, dass Netzbetreiber Einfluss nehmen. Aber gehe man davon aus, "dass jemand, der sich ein Fotohandy kauft, den MMS-Service auch nutzt." Vodafone-Pressesprecher Jens Kürten gibt sich völlig ahnungslos: "Das ist keine spezielle Strategie, bestimmte Geräte unterstützen das, andere eben nicht." Alexander Krug, Redakteur beim Fachmagazin Connect, glaubt dagegen an Strategie: "Die Netzbetreiber haben kein Interesse daran, dass Sie das Bild über einen anderen Weg verschicken als über MMS." Da sie die größten Kunden der Handyhersteller sind, hätten sie großen Einfluss. "Das ist eine Gratwanderung, denn wenn die Möglichkeiten der Geräte zu sehr eingeschränkt werden, sind sie nicht mehr attraktiv."

Fachjournalisten wie Krug bekommen viele Briefe von Lesern, die die hohen Preise für den MMS-Dienst kritisieren. Zum Beispiel kostet der Versand eines 50 kb großen Fotos von T-Mobile zu Vodafone 1,29 Euro gegenüber 19 Cent für eine SMS. Die Folge: Obwohl T-Mobile schon 1,3 Millionen Fotohandys verkauft hat, wurden in diesem Jahr nur drei Millionen MMS verschickt. Dagegen rauschen pro Monat 900 Millionen SMS durch das Netz des Marktführers. Vodafone nennt zu MMS keine Zahlen.