Henning Mankell hat sein Lebensthema gefunden. Ein rassistischer Doppelmord inspirierte den schwedischen Bestsellerautor 1989 zu seinem ersten Wallander-Krimi, seitdem zieht sich eine feine, aber nie zu übersehende Blutspur von Fremdenhass und Flüchtlingselend durch seine Roman- und Bühnenwelt. Dunkles Brot und tote Blumen, ein Auftragswerk der Stuttgarter Tri-Bühne zum Auftakt des internationalen Theaterfestivals Sett, befasst sich nun mit dem Mord an Alberto Adriano, der vor drei Jahren in Dessau von Skinheads zu Tode geprügelt worden ist. Mankell lässt den Bruder des toten Mosambikaners nach Deutschland einreisen und vor dem Gefängnis ausharren.

Warum, das ist seine Frage an den inhaftierten Neonazi, hast du dieses Verbrechen begangen? Die Szenenfolge ist kein großer Wurf, sondern Gebrauchstheater mit einer überkonstruierten Rahmenhandlung, die der antirassistischen Aufklärung dienen soll. Die Regisseurin Edith Koerber, zugleich Intendantin der Tri-Bühne, verstärkt fatalerweise dieses schon bei Mankell überdeutlich ausgeprägte Anliegen: In ihrer Uraufführung des Dunklen Brots werden Zwischentöne von geklonten, hypernervös unter Starkstrom stehenden Skins niedergebrüllt. Eine Inszenierung, die sich vor Betroffenheit manchmal kaum zu bewegen vermag - wären da nicht die beiden Gäste des Teatro Avenida aus Maputo. Die mosambikanische Hauptstadtbühne wird seit Jahren von Henning Mankell unterstützt und tritt hier zum Glück als Koproduzent auf: Die Afrikaner federn den deutschen Haudraufrealismus mit sanfter Poesie ab.