Fumero, der Franco-faschistische Polizei-Inspektor, der sich in den Wirren des Kriegs immer auf der Seite der jeweils Herrschenden behauptet hatte, wird nicht aus den Zeitumständen heraus entwickelt. Er erscheint als Verkörperung des Bösen und wird psychologisch erklärt. "Leute wie Fumero hören nie auf zu hassen. Ihr Haß kennt weder Sinn noch Grund. Sie hassen wie sie atmen." Die Tatsache, dass sich solche vermeintlichen Anlagen unter den Bedingungen des Bürgerkriegs erst entfalten konnten, wird verdeckt. Nicht Aufklärung hat Zafón im Sinn, sondern einzig Spannung.

Statt die Liebe von Julián Carax und Penélope, einer Tochter aus großbürgerlichem Haus, an den Standesunterschieden scheitern zu lassen, muss ein Inzest herhalten: die beiden sind halt Bruder und Schwester. Die Reihe der Beispiele, an denen sich zeigen lässt, dass Zafón seine Geschichte nach einem schlichten Erfolgsmuster gestrickt hat, kann mühelos ergänzt werden. Es geht ihm stets darum, Spannung zu steigern. Deshalb lässt sie mehr und mehr nach. Es ist das Hollywood-Prinzip, das hier durchschlägt: handwerklich solide, künstlerisch anspruchslos. Carlos Ruiz Zafón hat ein spannendes Buch geschrieben. Wo er aufhört, fängt Literatur an.