Vor dem Gesetz sind alle gleich? Auf Geldanlagen trifft das offenkundig nicht zu. Die Steuergesetze behandeln Anlageformen sehr unterschiedlich. Anleger sollten bei ihren Entscheidungen deshalb mit dem Fiskus rechnen. Das kann in Zukunft sogar noch wichtiger werden, denn die Besteuerung von Kapitalanlagen wird reformiert.

Am 28. November hat der Bundesrat dem Steueränderungsgesetz 2003 zugestimmt. Demnach müssen die Banken für alle 2004 erzielten Kapitaleinkünfte und Veräußerungsgewinne eine zusammengefasste Bescheinigung erstellen. Die steht auch dem Finanzamt zur Verfügung. Außerdem ermächtigt das Gesetz die Bundesregierung, die EU-Zinsrichtlinie umzusetzen: Kapitalerträge von EU-Bürgern in EU-Staaten, aber auch in anderen europäischen Ländern (Schweiz, Liechtenstein) müssen vom Jahr 2005 an dem Heimatfinanzamt gemeldet werden. Ausnahmen sind Österreich, Belgien und Luxemburg, wo eine Quellensteuer erhoben wird. Eine Reihe weiterer Gesetze hat ebenfalls Einfluss auf verschiedene Formen der Geldanlage.

Aktien. Seit der Einführung des Halbeinkünfteverfahrens 2001/2002 müssen Anleger Aktiendividenden nur zur Hälfte versteuern. Wer im vergangenen Jahr 100 Volvo-Aktien hielt, hatte Anspruch auf 100 Euro Dividende. Ist der Sparerfreibetrag ausgeschöpft, bleiben davon 50 Euro steuerfrei, 50 Euro sind mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Verkauft ein Anleger seine Aktien, nachdem er sie länger als ein Jahr gehalten hat, muss der Kursgewinn nicht versteuert werden. Auch ein Verlust interessiert den Fiskus nicht. Bei Kauf und Verkauf innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist ist nur die Hälfte des Gewinns steuerpflichtig.

Anleihen. Die Zinsen von Anleihen, Bundesschatzbriefen und anderen Rentenpapieren werden mit dem persönlichen Steuersatz versteuert, soweit sie den Sparerfreibetrag von 1550 Euro bei Ledigen plus Werbungskostenpauschale übersteigen. Liegt kein Freistellungsauftrag vor, führt die Bank in der Regel 30 Prozent Zinsabschlag an das Finanzamt ab. Der wird später mit der Einkommensteuer verrechnet. Kursgewinne unterliegen voll der Steuer, wenn die Papiere innerhalb eines Jahres gekauft und verkauft wurden. Außerhalb der Frist bleiben Veräußerungsgewinne steuerfrei.

Kontensparen. Die Zinsen von Sparbüchern, Sparbriefen und den verschiedenen Formen des Kontensparens müssen wie Anleihezinsen oberhalb des Sparerfreibetrags mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden.