So recht will die Meldung nicht ins allgemein trübe Bild passen: Deutschland hat im vergangenen Jahr die USA als produktivstes Land überrundet. Und auch sonst schneidet die Bundesrepublik in der Globalen Produktivitätsstudie der Unternehmensberatung Czipin & Proudfoot ungewöhnlich gut ab. Sie erreichte 63 Prozent des möglichen Niveaus. Mit anderen Worten: Fast zwei Drittel der Arbeitszeit wurde produktiv genutzt. Deutschland steht damit weltweit an der Spitze. Freilich stellt sich die Frage, warum die restlichen 37 Prozent offenbar nutzlos verstreichen.

Verantwortlich dafür sind überwiegend die Manager: Sie steckten Ziele entweder zu hoch oder zu niedrig, ignorierten Probleme oder sahen sie einfach nicht voraus. Außerdem kam es zum Leerlauf, weil die Chefs nicht erreichbar waren und nicht effektiv arbeiteten, weil sie schlechte Kommunikationsfähigkeit bewiesen oder unklare Anweisungen erteilten. Kurzum: Für 65 Prozent des Produktivitätsverlustes ist laut Studie allein Missmanagement verantwortlich.

Ganz ungeschoren kommen aber auch die Mitarbeiter nicht davon. Deren schlechte Arbeitsmoral trägt hierzulande mit 12 Prozent zur verbummelten Zeit bei. Die wichtigsten Gründe dafür: das Gefühl, nicht genügend geschätzt und/oder ungenügend bezahlt zu werden - der Mangel an positivem Teamgeist, aber auch mangelndes Qualitätsbewusstsein und das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Allerdings: Nur Australien schneidet in diesem Punkt besser ab als Deutschland. Ganz düster sieht es dagegen in den Vereinigten Staaten aus: Das größte Problem mit mangelnder Arbeitsmoral haben amerikanische Betriebe.