DIE ZEIT: Frau Erpenbeck, Sie beraten Unternehmen zum Thema Frauen und Konkurrenz. Heißt das, Sie eilen zu Hilfe, wenn in Büros und Betrieben der Zickenkrieg tobt?

Mechtild ERPENBECK: Zickenkrieg und Stutenbissigkeit, das ist immer das Erste, was den Leuten zu diesem Thema einfällt. Das ist auch in den Unternehmen nicht anders, wenn Kolleginnen konkurrieren. Konkurrenz unter Frauen taugt immer gut für Herrenwitze und Halblautes hinter vorgehaltener Hand, ernst genommen wird das alles leider von den wenigsten. Fragt man betroffene Vorgesetzte, wie wir das getan haben, stellt man fest: Nur vier von zehn Chefs rechnen mit wirtschaftlichen Konsequenzen, obwohl gleichzeitig acht von zehn angeben, schon mal ein Projekt oder einen Kunden auf diese Weise verloren zu haben. Das Problem wird immens unterschätzt.

ZEIT: Bisher war es doch eher so, dass Frauen im Berufsleben kaum vorankamen, weil sie sich gegen die Männer nicht durchsetzen konnten. Jetzt scheint es ein paar Damen zu geben, die es gelernt haben, die Ellenbogen auszufahren. Wo ist das Problem?

ERPENBECK: Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Frauen in Führungspositionen gelangen. Im deutschsprachigen Raum steigt der Anteil der weiblichen Vorgesetzten in Wirtschaft, Politik und Verwaltung jedes Jahr um knapp ein Prozent. Inzwischen ist im Durchschnitt fast jede fünfte Führungskraft weiblich. Allerdings entsteht dadurch ein neues Problem: Frauen haben es nun auf ihrem beruflichen Weg zunehmend mit Frauen zu tun, und das ist ein brisantes Thema.

ZEIT: Klingt da ein Grundmisstrauen gegenüber den Geschlechtsgenossinnen durch?

ERPENBECK: Das hat nichts mit Misstrauen zu tun, sondern mit Erfahrung. Wenn man wie ich viel mit Personalentwicklern zu tun hat, hört man immer wieder die Klage, dass Frauen sich unsolidarisch verhalten. Wenn sie es bis zur Spitze geschafft haben, halten sie sich selbst das Hinterland frei und stellen den weiblichen Führungsnachwuchs kalt. Das umgekehrte Seilschaftenprinzip sozusagen.

ZEIT: Wollen Sie damit sagen, dass Frauen die wahren Machos sind und dass es zwischen ihnen öfter kracht als unter den Männern?