Als "Meilenstein in der Geschichte des Umweltschutzes" rühmte ihn 1997 die damalige Umweltministerin Angela Merkel. Nun wird es wohl eher Zeit, dem Klimavertrag namens Kyoto-Protokoll allmählich einen Grabstein zu setzen. Mit der jüngsten Ankündigung des russischen Wirtschaftsberaters Andrej Illarionow auf der Welt-Klimakonferenz in Mailand, sein Land werde das Kyoto-Protokoll aus wirtschaftlichen Gründen nicht ratifizieren, ist alles Leben aus dem internationalen Vertragswerk gewichen. Denn um es in Kraft treten zu lassen, müssten die ratifizierenden Staaten zusammen mindestens 55 Prozent der CO2-Emissionen repräsentieren. Aber allein die USA, deren Präsident das Abkommen bereits aufkündigte, sind für ein Drittel aller Emissionen verantwortlich. Steigt Russland aus, ist die notwendige Zustimmungsquote auf keinen Fall mehr zu schaffen.

So scheint der Versuch, dem weltweiten Anstieg des Treibhausgases Kohlendioxid ein Ende zu setzen, gescheitert. Verantwortlich dafür sind freilich nicht nur die USA und Russland. In Ländern wie China oder Indien, die nach den Kyoto-Regeln unbegrenzt weiter CO2 emittieren dürfen, nimmt der Kohlendioxid-Ausstoß massiv zu. Und selbst jene Staaten, die sich bislang als Vorkämpfer des Klimaschutzes profiliert haben, geraten in Schwierigkeiten: So hat die EU ihre Emissionen bisher nur um 2,2 Prozent reduziert. Bis 2010 müssten aber laut Kyoto-Protokoll acht Prozent erreicht werden.

Egal, was beim Feilschen um Emissionsprozente herauskommt: Der Einfluss auf das Weltklima wird gering sein. Der Temperaturanstieg – prognostiziert sind 1,4 bis 5,8 Grad bis zum Jahr 2100 – würde selbst bei einer Umsetzung des Kyoto-Protokolls kaum gebremst. Die globale Erwärmung fiele nur um etwa 0,03 Grad geringer aus. bel