Heile, heile Gänschen: Die Gesichter der kleinen irischen Familie strahlen mit den Lichtern des Broadways um die Wette. Nach dem Verlust des Sohnes und der illegalen Einreise über Kanada sind Johnny und Sarah mit ihren zwei Töchtern endlich in der neuen Heimat angekommen. Im Fast-Forward-Verfahren richtet sich das rührende Quartett in einem abgerissenen Haus zwischen Dealern, Junkies und Bettlern ein kuscheliges Nest ein, versucht sein Glück im Harlem der achtziger Jahre. In America von Jim Sheridan (bekannt machten ihn seine Filme Mein linker Fuß und Im Namen des Vaters) mag ein Familienfilm sein und New York als verheißungsvolles Pflaster zeigen - dennoch ist er alles andere als eine Hurrafeier der therapeutischen Kräfte des Melting Pot.

In diesem Film wird sich die Kamera niemals allwissend in die Lüfte schwingen, um die Handlung als Paradebeispiel zu erzählen. Lieber bleibt sie auf der Augenhöhe der Figuren, geht mit Johnny (Paddy Considine), dem Vater und Berufsschauspieler, Türklinken putzen und mit Sarah (Samantha Morton) in der winzigen Eisdiele kellnern. Es ist ein mühseliger, zutiefst erschöpfender Überlebenskampf, der durch den fantastisch verschleierten Blick der Kinder immer wieder etwas Märchenhaftes bekommt. Mit den grobkörnigen Bildern von Christys roter Handycam-Kamera entwickelt In America eine ganz eigene Wahrnehmung. Nur den afroamerikanischen Künstlernachbarn, der der Einwanderer-Familie mit Finanzspritzen und Voodoo-Sitzungen aus der Misere hilft, hätte Sheridan lieber im Reich der Zauberer und Medizinmännner lassen sollen.