Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger sein können. Gerade hatte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) das "beliebteste Instrument eigenverantwortlicher Vorsorge" beschworen und vor Steuern auf die Lebensversicherung gewarnt, da kamen die Skandalmeldungen. Das ZDF berichtete vergangene Woche, mehrere Versicherer, unter ihnen die Allianz, stünden im Verdacht, in Geldwäschegeschäfte größeren Stils verwickelt zu sein. Zentrales Instrument dabei: die Lebensversicherung. Nach Recherchen des Senders haben 5700 Kunden unversteuerte Gelder aus dem Ausland in Policen eingezahlt, um sie sofort als Privatrente oder später auf einen Schlag als Kapitallebensversicherung zurückzubekommen. Die Unternehmen bestätigten bislang nur, dass die Steuerfahndung bei ihnen zu Razzien angerückt sei.

Womöglich lassen sich die mutmaßlichen Geldwäschepraktiken sogar als persönliche Vorsorge bezeichnen, nur sind sie sicher nicht geeignet, das Steuerprivileg der Lebensversicherung zu rechtfertigen. Sie zeigen vielmehr die Missbrauchsmöglichkeiten, die daraus erwachsen, dass die Auszahlungen aus diesen Verträgen von der Steuer befreit sind. Der Bundesregierung spielt das in die Hand: Sie will das seit über 100 Jahren existierende Privileg im Jahr 2005 abschaffen. In dem vom Kabinett gerade verabschiedeten "Alterseinkünftegesetz" heißt es kühl: "Die Kapitallebensversicherung gegen laufende Beitragsleistung mit Sparanteil ist eine Versicherungsform, bei der der Charakter einer (frei verfügbaren) Kapitalanlage deutlich überwiegt." Die Lebensversicherer möchten ihre Policen indes als Altersvorsorge verstanden wissen. Die Regierung vergleicht sie dagegen mit einem Sparbuch. Schließlich werde mit der beabsichtigten Neuregelung ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anlageformen, "wie zum Beispiel Sparguthaben", beseitigt, heißt es in der Gesetzesbegründung. Ein Policenkunde kann nach zwölf Jahren die Auszahlung ohne jeglichen Abzug einstreichen.

Mit dem Steuerargument konnten die Vertreter in der Vergangenheit gut punkten: Als Lebensversicherungen noch sechs Prozent Rendite abwarfen, konnte kaum eine andere Anlage für Spitzenverdiener mithalten. Um sechs Prozent nach Steuern zu erzielen, müsste eine Anlage ohne Steuervorteil mindestens neun Prozent vor Steuern erzielen. Welches halbwegs sichere Investment kann das schon bieten?

Für das "Ärzte- und Apotheker-Geschäft", wie Vermittler es gerne nennen, unterhalten die Lebensversicherer spezielle Abteilungen, die sich um die wohlhabende Kundschaft kümmern. Ihr Steuerprivileg hat die Branche gerade bei dieser Klientel oftmals ohne Scham ausgereizt, etwa mit "5 + 7-Verträgen".

Dabei ist der einzig erkennbare Zweck die Steuervermeidung, nicht die Altersvorsorge: Der Kunde zahlt einmalig eine größere Summe in ein Beitragsdepot, die Lebensversicherung entnimmt daraus fünf Jahre lang Prämien. Nach weiteren sieben Jahren Wartezeit sind alle steuerlichen Voraussetzungen erfüllt, damit der Kunde steuerfrei über sein Guthaben verfügen kann.

Der Durchschnittskunde indes, mit etwa 30 000 Euro Versicherungssumme und 25 bis 30 Jahren Vertragslaufzeit, dient der Branche vor allem als Alibi. Ihm nützt das Steuerprivileg ohnehin wenig: Der Sparerfreibetrag von derzeit 1550 Euro im Jahr für Alleinstehende und 3100 Euro für Verheiratete reicht bei diesen Kunden meist aus, um auch die Kapitalerträge aus anderen Anlagen steuerfrei zu kassieren.

Die Lobby hält sich ihre Politiker