Wir gingen über die Via Condotti in Rom, meine Frau und ich, als wir sie auf uns zukommen sahen – die internationale Kinodiva voller Glamour, in einer glänzenden lavendelfarbenen Bluse, Wildlederhosen und hohen Stiefeln, an jedem Arm einen Mann.

Das war vor 25 Jahren, mindestens, eine jener Situationen, deren genauer Zeitpunkt mit anderen Erinnerungen an denselben Ort zusammengefallen ist.

Die Schauspielerin sah glücklich aus, und das machte uns glücklich. Das passte in diese Stadt mit ihrem Fellini-Touch, dass so eine Frau auftauchte, und noch dazu auf dieser Straße mit ihren ultraschicken Läden und dem ehrwürdigen Caffè Greco, dessen kleine Salons mit Selbstporträts der Großen und Berühmten dekoriert waren.

Und jetzt, viele Jahre später, ist dieser Augenblick wieder da. Ich sehe die Straße am späten Vormittag vor mir, erinnere mich genau an die niedrigen Eisenpfosten, dazwischen Absperrungsketten gegen den Autoverkehr. In der Nähe ist die azaleenbestandene Spanische Treppe, wo sich ungefähr dreihundert Menschen, zumeist junge Leute, lebhaft sonnen. Aber ich merke, auf dieser Ebene des Abstands bin ich nicht mehr sicher, wer der Kinostar war.

Das ist ein Schock für jemanden, der alte Freunde mit detaillierten Schilderungen nebensächlicher Momente aus seiner schon angegilbten Jugend verblüffen kann. Die Erinnerung kehrt in regelmäßigen Abständen zurück. Ich habe einen Namen im Kopf. Ich versuche, die Erinnerung an die Frau in das dunstverhangene Bild einzuarbeiten, das der Name heraufbeschwört. Warum ist das wichtig? Es ist wichtig, weil es geschehen ist. Es ist wichtig, weil sie glücklich war, und wir waren glücklich, als wir sie sahen. Sie kommen auf uns zu, drei untergehakte Gestalten, und im Rückblick wirkt es fast so, als schwebten sie knapp über der Straße, es könnte sein, dass einer von ihnen gerade etwas gesagt hatte, das den anderen gefiel. Doch die Frau ist undeutlich geworden, verschleiert von jenem unerfindlichen Prozess, der ein Ereignis im Langzeitgedächtnis verändert und zu einer Art Übersetzung des Originalmoments macht. Irgendetwas ist verloren gegangen, ihr Gesicht ist verloren gegangen, hat sich irgendwo in dem schwammigen Eiweiß meiner Hirnrinde aufgelöst.

"Weißt du noch, die Schauspielerin? Damals in Rom", sage ich und füge einige allgemeine chronologische Elemente an, um den Kontext herzustellen. "Einen Mann links, einen Mann rechts. Das war Anita Ekberg, stimmt’s?"

Meine Frau sagt ja, Anita Ekberg, und beschreibt ihre Kleidung, inklusive einiger vertraulicher Einzelheiten über Stoffe und Farben. Aber was die Schauspielerin selbst betrifft, traue ich der Sache noch nicht ganz. Es müsste Anita Ekberg gewesen sein, in Anbetracht der Stadt und des Spektakels in der Regenbogenpresse über ihren Auftritt in La Dolce Vita spielte. Meine Frau sagt ja. Aber ich bin mir nicht sicher, dass sie daran glaubt.

Es ist März. Überall ist die Rede von Krieg. Die Erinnerung kommt und geht. Was ist das Wichtige hier? Eine Frau auf einer Straße in Rom und die dünne Geschichte, die ihr Name möglicherweise abruft – sechs oder sieben Filme, diverse zu vernachlässigende Ehemänner? Da muss noch mehr sein. Schließlich ist jede unserer Erinnerungen vor allem eine an uns selbst. Wenn die Erinnerung an ein Erlebnis Risse hat, ist das ein Bruch in der Kontinuität des Ichs. Ich sehe den Mann an ihrer Linken oder vielmehr, ich stelle ihn mir vor, rekonstruiere ihn – Bürstenhaarschnitt und ein Sechstagebart, der weitgehend den Stoppeln auf seinem Kopf entspricht. Mit jeder verbrauchten Erinnerung bleibt weniger von uns übrig.