Montagmorgen. Pflichtvorlesung Statistik. Nicht gerade ein Fach, das Studenten lieben. Die meisten lägen jetzt lieber im Bett, und Ronald Berk weiß das. Er schaltet den Overheadprojektor an. Darunter tastet sich seine Hand heimlich nach vorn, zum Schlachtermesser. Ein Blick zur ersten Reihe. "Ich weiß, was ihr von Statistik haltet." Berk startet die Musik. Kreischen, Schreien. Iiiieeetsch! Iiiieeetsch! Thriller-Soundtrack. Berk hebt die Hand. Das Messer blitzt, der Professor lacht, die Studenten sind schockiert. Herunter saust das Messer, im Licht des Projektors, als Schatten an der Wand. Willkommen zu Statistik 101. "Seid beruhigt: So schlimm wird es nicht." Alle sind wach.

Professor Ronald M. Berk unterrichtet an einer der besten Medizinfakultäten Amerikas, an der Johns Hopkins University in Baltimore. Er hat Bücher geschrieben, Wissenschaftspreise gewonnen. So weit, so respektabel. Doch wer eine E-Mail an den "Sehr geehrten Professor Berk" schreibt, erhält eine Antwort, unterzeichnet mit "Cheers, Britney Spears". Und in seinem Bücherregal lauern neben dem Vorlesungsverzeichnis drei aufblasbare Alien-Figuren – Handwerkszeug für die nächste Humoroffensive.

Wer das lächerlich findet, der tut Ronald Berk damit auch noch einen Gefallen. Der Professor ist gern Klassenclown. Lachen ist seine Wunderwaffe gegen Unaufmerksamkeit, Angst und Stress seiner Studenten. Wenn wir lachen, sagt Berk, schlafen wir nicht. Wenn wir lachen, vergessen wir die Furcht vor dem nächsten Test und denken nicht mehr daran, dass der Mensch mit der unmöglichen Krawatte da vorn ein Professor ist. Berk will kein Halbgott in Flanell sein, sondern Entertainer – und wird damit auch in den USA zum Revoluzzer. Zwar staubte der Muff von tausend Jahren hier noch nie unter irgendwelchen Talaren, Studenten und Professoren nennen einander häufig beim Vornamen. Und am Ende des Semesters dankt der Prof dem Seminar für die vielen interessanten Diskussionen.

Doch Berk geht noch einen Schritt weiter als der Rest des akademischen Amerikas. Ihm zufolge kommen Schüler und Lehrer ursprünglich aus zwei verschiedenen Welten, die einen tragen Piercings, die anderen Herzschrittmacher. So lautet auch einer seiner Buchtitel: Professoren kommen vom Mars, Studenten vom Snickers. Und seine Lösung heißt Mars attacks. Weil die Studenten nicht in seine Welt kommen, stürzt er sich in ihre. Um Vertrauen und eine "spielerische Atmosphäre" zu schaffen, kommt Berk schon mal im Cowboy-Kostüm, bestreitet seine Vorlesungen mit Laserschwertern und verpasst der alten Professorenwürde dabei den Todesstoß.

So etwas wird nicht immer gern gesehen, schon gar nicht an der medizinischen Fakultät, an der Berk unterrichtet. Kritische Blicke werfen ihm nicht nur die ehemaligen Leiterinnen der Fakultät für Krankenpflege zu, die in überlebensgroßen Porträts von der Wand starren. Unter ihren weißen Häubchen sehen sie aus als, hätten sie in ihrem Leben nie viel Spaß gehabt, und zwar aus Prinzip.

Medizin ist eine ernste Sache, hier geht es um Leben und Tod. Und um viel Geld. 25000 Dollar Studiengebühren pro Jahr zahle er nicht, um sich Witze anzuhören, kritisierte ein Student einmal. Und die Verwaltung wollte Berks Semesterpläne – angereichert mit Slogans wie "Jetzt mit ein Drittel weniger Inhalt, aber demselben großartigen Geschmack!" – nicht in die offiziellen Akten nehmen. Er sollte auf den Humor verzichten. Berk ging zum Anwalt. Am Ende des Kampfes stand ein Kompromiss: Für die Studenten gibt es weiterhin die witzige Fassung, für die Aktenschränke eine gesäuberte. Doch der Professor hat seinen Posten als stellvertretender Direktor des Instituts verloren. Über die Gründe wird gemunkelt, es heißt, er habe einen Witz zu viel gemacht.

Studenten prüfen die Witze

Doch Berk trotzt allem Widerstand, und einige Wissenschaftler geben ihm Recht. Lachforscher wie der Psychologe Rod Martin von der kanadischen University of Western Ontario bestätigen, dass Menschen, die viel lachen, besser mit Stress umgehen können, seltener Angst haben und weniger unter Depressionen leiden. Wer lacht, lässt sich nicht länger von Stress kontrollieren, sondern kontrolliert selbst. Manche Wissenschaftler sagen sogar, dass Lachen das Immunsystem stärkt.