Da er als schwierig galt, kam er auf die Rudolf-Steiner-Schule: "Das ging nicht anders. Die haben mich aus der Volksschule rausgeschmissen …" Da ihn jedoch niemand zur Schule begleitete, ging er wohl oft nicht hin. Jedenfalls hat er kein Abitur gemacht.

Der Vater war längst über alle Berge. Die Mutter hatte sich neu mit einem Mann verheiratet, der den Sohn nicht leiden konnte und ihn nicht in der Wohnung sehen wollte. Er reagierte mit Opposition und machte, was er wollte: kleidete sich mit Jeans, Netzhemd und Lederjacke im Proletenlook oder wieder hochelegant im Designer-Outfit mit Hut und Brille, zu der talgigen Haut einen mongolischen Bart.

Er beschloss, wenn er denn keine Familie hätte, würde er sich selber eine gründen. Seiner Mutter verkündete er, er sei schwul. Er lernte Udo kennen, einen bildschönen Jüngling. Sie waren ein tolles Paar: der auf halbstark getrimmte Prolet und das Schneewittchen von O. Kein Liebespaar, sondern eine Interessensymbiose.

Er trieb sich mit Nutten und Zuhältern herum, ihn interessierte das Milieu, aber er besaß auch ein Sprachgefühl wie ein Germanistikprofessor und kannte sich in den Werken der Weltliteratur aus. Seine erotische Anziehungskraft auf beiderlei Geschlecht war ihm bewusst geworden. Er wollte allen beweisen, dass es sein Wille war, der die Welt bestimmte, nicht die Umwelt.

Er besuchte die Schauspielschule, weil das fehlende Abitur dort nicht wichtig war. Hier lernte er auch einige seiner späteren Mitarbeiter kennen. Er schrieb Stücke, machte einen Kurzfilm und bekam einen Preis. Er war noch sehr jung, voller Energie.

Ein Freund schrieb: "… Einerseits dieser Schaffensrausch, dieses völlige Ineinanderaufgehen von Leben und Arbeit, doch auf der anderen Seite war es der zielstrebige Durchmarsch eines Einzelnen nach oben. Bald zeigte sich, daß er ein Meister im Intrigieren war, es war einfach Teil seines unerschöpflichen Repertoires auf seinem Weg, den nun schnell sichtbar werdenden Machtanspruch durchzusetzen. Doch selbst wenn er sein Ziel erreicht hatte, blieb die Intrige eins seiner bevorzugten Mittel, Abhängigkeit in seinem Gefolge zu erzeugen …"

Unterdessen wurde gearbeitet mit viel zu wenig Geld, mit viel zu wenig Zeit in chaotischer Umgebung. Mit den "Freunden" aus dieser Szene wurde gegessen, getrunken und bei vertauschten Freundinnen übernachtet. Einer der Betrogenen ließ eines Nachts seinen Zorn an der unschuldigen Bühne aus. "… Alles was dieser mit eigener Hände Arbeit installiert hatte, … schlug er kurz und klein." Den Brand legte er anschließend mit seinen Freunden Andreas Baader und Gudrun Ensslin in der "Hochburg des Kapitalismus" im Kaufhof.