Schon lange träume ich davon, dass Tiere die Möglichkeit bekommen, über das Internet miteinander zu kommunizieren. In den letzten Jahren haben wir immer deutlicher herausgefunden, wo wir Menschen – hinsichtlich der DNA – unseren Platz in dieser Welt haben. Wir unterscheiden uns genetisch weniger als zwei Prozent von den großen Menschenaffen. Wir möchten gern glauben, der Unterschied sei größer. Aber sie sind unsere Verwandten. Es wird Zeit anzuerkennen, dass Menschen nicht die einzigen intelligenten Wesen auf diesem Planeten sind. Vor einiger Zeit hatte ich zum Beispiel Gelegenheit, mit einer anderen Spezies zu musizieren: mit Affen im Language Research Center der Universität Atlanta/Georgia. Was ich dort erlebt habe, erschien mir fantastisch.

Die Bonobo-Schimpansen in Atlanta können etwa 4000 Wörter in englischer Sprache und etwa 400 Piktogramme unterscheiden. Ich dachte, wenn sie Wörter verstehen – was ist mit Musik? Tasteninstrumente erschienen mir am interessantesten. Aus einem einfachen Grund: Wenn ein Schimpanse eine Rumbakugel in die Hand nimmt, denken die meisten Menschen, darauf sei er dressiert. Aber wenn man sieht, wie ein Affe vor einer Klaviatur sitzt, denkt man: Aha, dieses Wesen macht sich Gedanken über Musik. Darüber, was ein guter oder schlechter Ton ist. Was passt und was nicht. Da ist ein intelligenter Geist, der eine musikalische Umgebung erkundet. Hätte der Affe nur eine Rumbakugel in der Hand… – dieses Problem kennen menschliche Perkussionisten auch. Schlagzeuger werden oft für halbe Affen gehalten.

Ein normales Keyboard ist natürlich nicht für die großen Hände von Schimpansen gemacht. Deshalb bat ich Pan Banisha, eine Bonobo-Dame, mit einem Finger zu spielen. Ich machte ihr klar, dass sie nur die weißen Tasten benutzen sollte, was sie auch sofort verstand. Wir gaben ihr ein einfaches Casio-Keyboard, das wir mit einem Klavier-Sound belegten. Der Bassist Tony Levin und ich hatten ein vages Gerüst vorbereitet. Ein paar Beats, ein paar Akkorde, alles in a-Moll natürlich. Der Rest war freie Improvisation. Wir durften uns nicht in ein und demselben Raum aufhalten wie die Bonobos. Deshalb gab es eine Art Plastik-Barriere zwischen uns. Tony und ich saßen in der Bonobo-Küche, und auf der anderen Seite saßen die Bonobos vor dem Keyboard. Pan Banisha begann sofort, die verschiedenen Intervalle der Tonleiter auszuprobieren. Schon nach kurzer Zeit suchte sie die Tastatur nach Oktaven ab. Niemand hatte ihr vorher gezeigt, was eine Oktave ist, aber sie fand schnell heraus, dass dieses Intervall den stärksten Gleichklang besitzt.

Sie hat damit nicht nur ein Muster erkannt, sondern etwas Verwandtes darin gehört. Allein durch den Klang. Das Sozialleben der Bonobos ist als äußerst friedlich und angenehm bekannt. Für sie ist Sex so etwas wie für Menschen ein Händedruck. Sie drücken ihre Gefühle durch Sex aus. Sex ist Musik. Musik ist Sex. Aber in diesem Fall haben sie Sex und Musik nicht miteinander kombiniert. Sie waren ebenso intellektuell fasziniert wie ich.

Kanzi, der Bruder von Pan Banisha, hatte seine Schwester einige Male beobachtet und auch mir während meiner insgesamt fünf Besuche beim Spielen zugesehen. Aber er hatte noch nie vor einem Keyboard gesessen. Er imitierte einfach, was er gesehen hatte. Pan Banisha schien mehr auf introspektive Musik zu reagieren, Kanzi eher auf den Groove. Sobald man Affen Auswahlmöglichkeiten und Kontrolle anbietet, stellen sie sich darauf ein und lernen extrem schnell. Ihr Intelligenzquotient entspricht etwa dem eines sechs- bis neunjährigen Menschenkindes.

Ich wurde in Atlanta nicht Zeuge, wie ein musikalischer Geist zum Leben erwachte. Ich glaube, die Musikalität schlummerte schon vorher in Kanzi und Pan Banisha. Die beiden kommen ja nicht direkt aus dem Dschungel. Sie sind bei Menschen aufgewachsen und hören dauernd Musik im Radio. Man kann philosophische Diskussionen darüber führen, ob das gut oder schlecht ist. Manche Forscher finden es grundsätzlich falsch. Für mich ist das etwas weniger kontrovers.

In dem Film Unheimliche Begegnung der dritten Art geht es darum, eine Kontaktaufnahme zwischen Außerirdischen und Menschen glaubwürdig darzustellen. Musik funktioniert darin als Schnittstelle, über die Menschen und Außerirdische sich verständigen. Das ist natürlich nur ein Sinnbild, ein Produkt menschlicher Fantasie. Aber selten ist mir die Universalität von Musik, ihre allgemeine Verständlichkeit, so deutlich geworden wie bei meinen Sessions mit den Affen. Während wir mit ihnen Musik machten, habe ich sie als sehr individuelle Persönlichkeiten kennen gelernt. Musik zu machen war Kommunikation zwischen den Spezies.

Mit Coco war das anders. Bei Coco genügten Wörter. Coco ist eine etwa 30 Jahre alte Gorilla-Dame. Coco war schon auf einer Menge Magazintiteln. Sie ist das Super-Model der Gorilla-Welt. Sie wurde berühmt, weil sie einer der ersten Affen war, die die englische Sprache verstanden und sich durch Zeichensprache artikulieren konnten. Mit Coco durfte ich in einem Raum sein. Wenn man mit einem Gorilla allein ist, wird einem sehr schnell klar, dass er enorme Kräfte besitzt. Wenn er wollte, könnte er dich ohne weiteres umbringen. Aber wenn du ihm vertraust, vertraut er dir auch. Es ist wie unter Menschen: Erst allmählich entsteht eine Beziehung, in der man sich in Gesellschaft des anderen wohl fühlt.