Chen Zhangliang ist es gewohnt, der Jüngste zu sein. Gerade 27 Jahre war der Biogenetiker alt, als ihn die renommierte Peking-Universität zum jüngsten Professor des ganzen Landes berief. Das war 1989, im Jahr der Studentenrevolte, die von seiner Universität ausging. Doch Chen, der zuvor in Washington studiert und für den Bio-Tech-Riesen Monsanto geforscht hatte, blieb im Labor, statt auf die Straße zu gehen. So gelangte er schon mit 31 Jahren als Abgeordneter in den Nationalen Volkskongress, der ihn im vergangenen Jahr zum zweitjüngsten Mitglied seines Führungsausschusses wählte – obwohl Chen bis heute nicht Mitglied der Kommunistischen Partei ist.

Seine außergewöhnliche Karriere hat Chen zu einem undogmatischen, aber hartnäckigen Verfechter des bestehenden politischen Systems der Volksrepublik gemacht. Chen leugnet zwar nicht die Vorteile der Demokratie – an der Pekinger Landwirtschaftsuniversität, deren Leitung er in diesem Jahr übernahm, führte er prompt demokratische Studentschaftswahlen ein. Aber Demokratie hat für ihn etwas mit Bildungsstand zu tun. Seine Eltern in der südchinesischen Provinz Fujian, so erzählt der Aufsteiger freimütig, seien bis heute Analphabeten. Chinas politische Probleme sehe er deshalb mit den Augen der Bauern. Für die 700 Millionen chinesischen Landbewohner gebe es nur einen Weg zu größeren Bildungs- und Wachstumschancen: wirtschaftliches Wachstum gekoppelt mit politischer Stabilität. So vereint Chen kommunistische Staatsraison mit Hingabe zur Hochtechnologie: Auch in diesem Jahr erschienen drei seiner Forschungsberichte in angesehenen amerikanischen Fachzeitschriften.