Der erste Gang des Jahres 2002 führte nicht, wie am Neujahrstag sonst üblich, zum Katerfrühstück, sondern zum Geldautomaten: Die Europäer holten ihre ersten Euro. Schon Monate vor der Währungsumstellung hatten fast alle Hilfsorganisationen in Deutschland und in den anderen Euro-Ländern dazu aufgerufen, die alten Münzen für soziale Zwecke zu spenden. Allein in der Bundesrepublik kamen so mindestens 1000 Tonnen Restmünzen und Banknoten zusammen. Ihr Gegenwert: 30 bis 40 Millionen Euro. Ein Erfolg, mit dem auch große Hilfsorganisationen nicht gerechnet hatten.

Doch der Geldsegen wurde schnell zur Last. Aus den Sparschweinen und Sammelbüchsen ergoss sich ein buntes Währungsgemisch aus einer Vielzahl von Ländern, und das auch noch durchsetzt mit kleinen Tüten, Zettelchen, Knöpfen, Duschmarken und Büroklammern. Auch Eheringe und sogar Gebisse wurden zwischen den Münzen gefunden.

Je Tonne 30 000 Euro

Es war die britische Firma Coin Co International (CCI), die sich als einziger europäischer Dienstleister anbot, das Geld zu sortieren, zu tauschen und in Euro auf die Konten der Organisationen zurückfließen zu lassen. Doch das Unternehmen scheint überfordert: Wie Dagobert Duck in seinem Geldspeicher, sitzt CCI noch immer auf geschätzten 2500 Tonnen Münzen aus ganz Europa - Gegenwert: mindestens 70 Millionen Euro. Deutsche Organisationen warten seit zwei Jahren auf den zugesicherten Umtausch. Allein der Zinsverlust geht in die Millionen. Anfragen bei CCI über die genauen Mengen und die Gründe für die Wechselschwierigkeiten bleiben unbeantwortet.

Das Problem: Anders als in Deutschland, wo die Bundesbank Pfennig- und Mark-Stücke unbefristet in die neue Einheitswährung wechselt, laufen in anderen Euro-Staaten Umtauschfristen ab. In Portugal ist die Frist bereits abgelaufen. Griechenland folgt im Februar 2004, Belgien im Dezember 2004. Je mehr Fristen ablaufen, desto kostspieliger wird die Sortierung, weil viel mehr wertlose Münzen dazwischen sind.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat etwa 76 Tonnen Restmünzen gesammelt. Der Gegenwert einer Tonne Münzgemisch liegt bei 30 000 bis 35 000 Euro. Michael Kruse, Sprecher des Kinderhilfswerks in Berlin, beklagt, dass es bisher "keine Alternative zu CCI" gab.

Nun allerdings macht eine deutsche Firma den Briten Konkurrenz. "Wir wollten nicht länger zusehen, wie Millionen von Spendengeldern in England und in den Kellern verrotten", sagt Theo Brüggemann, Geschäftsführer des Unternehmens Zählwerk in Extertal. Das Unternehmen hat ein besonderes Verfahren entwickelt. "Zählmaschinen, wie man sie aus jeder Bank kennt, werden normalerweise auf eine Währung eingestellt. Wenn ich aber ein Gemisch hineinwerfe, dann verstopfen die Maschinen", sagt Brüggemann. "Wir haben einen Maschinenhersteller gefunden, der mit uns zusammen ein Zusatzgerät für eine herkömmliche Sortiermaschine entwickelt hat. Damit können wir die Sortierung zu 90 Prozent maschinell erledigen", erklärt der Zählwerk-Geschäftsführer. Mehr als 100 Tonnen haben die fünf Beschäftigten des Unternehmens bereits sortiert und eingelöst.