Als Charles Zhang Chaoyang vor fünf Jahren mit seiner Internet-Firma Sohu.com in einen Büroturm an die Straße des Ewigen Friedens in Peking zog, blieb das Bücherregal in seinem gelb gestrichenen Chefzimmer leer. "Das räume ich später ein", sagte Zhang. Doch bis heute steht dort nicht ein Buch.

Warum auch? Der Mann, der wie kein anderer Unternehmer von den marktwirtschaftlich orientierten Medien des Landes gefeiert wird, muss nicht ins Bücherregal greifen, um Konfuzius zu zitieren. Dieser alte Landesphilosoph und die Marktwirtschaft würden China in die Moderne katapultieren, lautet Zhangs Botschaft, und er bringt sie mittels Konferenzen, im Fernsehen oder auf Vortragsreisen unters Volk. Kein anderer Unternehmer der Volksrepublik redet so viel über die Zukunft Chinas wie Zhang. "China kann in wenigen Jahren Jahrhunderte nachholen - wegen des Internet", lautet einer seiner Lieblingssätze.

Seinen Hang zum revolutionären Denken erwarb Zhang als Kind verbannter Intellektueller während der Kulturrevolution - und beim Studium unter dem amerikanischen Internet-Guru Nicholas Negroponte im neuenglischen Cambridge.

Negroponte war es dann auch, der ihm 1996 das nötige Geld zur Gründung der eigenen Firma in Peking besorgte. Schon zwei Jahre später verzeichnete Sohu.com täglich sechs bis sieben Millionen Besuche auf ihrer Internet-Seite.

Heute sind es über 30 Millionen Klicks. Und Zhang steht mit 38 Jahren an 20.

Stelle der Forbes-Liste der reichsten Bürger Chinas.