Berlin

An diesem Dienstag, am 23. Dezember 2003, wird Helmut Schmidt 85. Na und? So würde unser Freund Loriot fragen. In der Tat, unverändert sind wir alle auf das gespannt, was der Jubilar sagt oder schreibt. Keinem anderen lebenden deutschen Politiker gilt dieselbe erwartungsvolle Aufmerksamkeit, in Deutschland, in Europa und in der Welt.

Es begann vor einem guten halben Jahrhundert, als Helmut Schmidt seine ersten Reden im Bundestag hielt. Heute sind schon mehr als 20 Jahre vergangen, seitdem er sich vom letzten exekutiven Amt verabschiedet hat. Mit seinem politischen Wissen und Gewissen ist er jedoch in unserer Mitte geblieben. Die Achtung vor ihm ist mittlerweile eher noch gewachsen.

Zunächst hatte er wohl nicht die Absicht, Berufspolitiker zu werden. Aber die schweren Erfahrungen seiner Generation in der Jugend und sein hellwacher Geist erzeugten sein elementares Interesse an der Politik. So nahm er unmittelbar nach Kriegsdienst und Gefangenschaft das Studium der Volkswirtschaft auf, trat der SPD bei und wurde schon 1953 zum ersten Mal in den Bundestag gewählt. Alsbald entstand daraus ein Beruf, der ihn seither immer wieder bis an die äußerste Leistungsgrenze menschlichen Lebens führte.

Rücksicht auf die Gesundheit hat er nie gelernt. Dennoch meint man, eine Art Recycling sei am Werk. Seine verantwortungsbewusste Leidenschaft, gepaart mit seiner unbändigen Arbeitskonzentration, bringen die ganz aufgezehrten Kräfte auf wundersame Weise wieder von neuem hervor.

Helmut Schmidt ist einer, der weiß, was zu tun ist. So war er zum Regieren wie geschaffen. Dass er entscheiden konnte, spürte jeder. Sein Mut, seine Disziplin, seine Ruhe aus Verantwortung waren offenkundig. Weniger sichtbar, aber von ausschlaggebender Bedeutung blieb seine unaufhörliche Anstrengung um einen festen Boden unter den Füßen.

Wie kein anderer vor oder nach ihm war er vielfältig vorbereitet und sachkundig, als er die Führung übernahm. Ein präzises und differenziertes Fachwissen hatte er sich geschaffen. Dazu zählte seine frühzeitig als Buch publizierte profunde Analyse über Sicherheit und Friedenspolitik. Sie hat ihre Relevanz bis in die Gegenwart hinein behalten. Seiner weiten weltwirtschaftlichen Übersicht verdankten später die alljährlichen Gipfeltreffen der G7, danach der G8, ihre Entstehung.